Mittlerweile habe ich tatsächlich den ersten Unterricht gegeben. Sowohl in der kleinen Gemeindeschule in der Nähe des Klosters als auch im Kloster selbst. Nachdem ich am ersten geplanten Tag des Unterrichts in der Schule eine kurzfristige Absage bekommen haben, hat es dann am nächsten Tag tatsächlich geklappt. Meine Stunde sollte um 13:35Uhr beginnen, sodass ich mich rechtzeitig auf den Weg gemacht habe, um ein paar Minuten früher da zu sein. Nachdem mich dann eine andere Lehrerin begrüßt hatte, durfte ich mich ins Büro der Schule setzen und warten bis meine Stunde anfing. 😉
Die Schule ist eine sehr kleine Schule. Es gibt dort eine Art Kindergarten, in dem die ganz Kleinen spielen können und schon die ersten Sachen lernen. Danach gibt es dann die Klassen eins bis fünf. Nachdem Abschluss der fünften Klasse gehen die Kinder dann auf eine weiterführende Schule. Mein Unterricht findet in der fünften Klasse statt. Diese Klasse besteht aus acht Kindern im Alter von 11 bis 12 Jahren. Die anderen Jahrgänge bestehen ebenfalls aus einer vergleichbaren Anzahl Kindern. Wie gesagt, alles sehr klein und überschaubar. 🙂
Die Ausstattung der Schule ist recht dürftig. Jeder Jahrgang hat seinen eigenen Klassenraum, in dem ein kleines Whiteboard hängt und einige im Unterricht hergestellte Poster und Zettel. Ansonsten sind die Klassenräume recht karg. In dem der fünften Klasse gibt es zwar Fenster, aber keine Fensterscheiben, sodass die Kinder an kalten Tagen mit Mütze, Jacke und ggf. auch Handschuhen im Unterricht sitzen. Auf dem Schulhof gibt es eine Schaukel, eine Rutsche und einen überdachten Bereich, wo man sich auch hinsetzen kann. Es gibt in der Schule zwei Badminton-Schläger, die in den Pausen sehr beliebt sind.
Meine Stunde fängt immer direkt nach der Mittagspause an. Das heißt wenn ich komme, toben die Kinder auf dem kleinen Schulhof oder sind noch am Essen. Am ersten Tag sind dann gleich viele Kinder auf mich zugestürmt als sie mich gesehen haben und haben mich gefragt wie ich heiße und woher ich komme. Sie wollten auch wissen wie mein Familienname ist und wie der Rest meiner Familie heißt. Aus irgendeinem Grund fanden alle Kinder es lustig wenn ich gesagt habe, dass ich Müller mit Nachnamen heiße.
Für den Unterricht selbst hat man mir dann einen Whiteboard-Marker gegeben. Weitere Anweisungen habe ich nicht erhalten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde in meiner Klasse habe ich dann schnell gemerkt, dass es schwierig werden wird, konzentrierten Unterricht durchzuführen. Meine Stunde ist scheinbar so was wie eine Extra-Stunde für die Schüler, in der sie normalerweise Hausaufgaben machen oder sich mit anderen Dingen beschäftigen können. Daher kann ich nicht einschätzen wie groß die Motivation ist, wirklich etwas zu lernen. Die Kinder lassen sich auch sehr leicht ablenken, vor allem wenn draußen irgendwas passiert. Und da es ja keine Fenster gibt, kann es dann auch schon mal sein, dass Kinder ans Fenster kommen, um sich die Badminton-Schläger abzuholen oder am Fenster stehen und zuhören wie unser Unterricht ist.
Man merkt auch sofort, dass der Unterricht scheinbar etwas ungeordneter abläuft als bei uns in Deutschland. Wenn ich etwas in die Klasse frage, dann werden die Antworten einfach laut gerufen ohne sich zu melden bzw. wenn jemand antwortet wird dazwischen gerufen, sodass man die eigentliche Antwort nicht versteht. Da werde ich demnächst also einige neue Regeln einführen, um ein bisschen mehr Ordnung in den Unterricht zu bringen. Auf der anderen Seite gibt es hier teilweise aber auch strengere Regeln als bei uns. So fragt mich beispielsweise jedes einzelne Kind wenn es in die Klasse kommen will ob es rein kommen darf. Egal ob es am Ende der Pause ist oder wenn jemand kurz zur Toilette war. Wenn die Kinder antworten stehen sie auf und sprechen erst dann. Und sie fragen um Erlaubnis ob sie was trinken dürfen.
Da ich wie gesagt keine weiteren Informationen bekommen habe, wurde ich dann auch schon nach kurzer Zeit von einer Klingel überrascht. Ich habe die Kinder dann gefragt was die Klingel zu bedeuten hat und sie meinten, dass sie jetzt eine Pause hätten und auf dem Schulhof spielen könnten. Die Tatsache, dass die Kinder mir gesagt haben, dass die Pause 40 Minuten lang ist und ich keine anderen Kinder auf dem Schulhof gesehen habe, hat mich etwas misstrauisch gemacht. Ich habe ihnen dann aber immerhin 5 Minuten Pause erlaubt, was die Kinder dann auch ohne Einwände akzeptiert haben. Vielleicht habe ich sie aber auch einfach falsch verstanden 😉
Ohne zu wissen, auf welchem Stand die Kinder sind, habe ich mit einer Wiederholung von Inhalten angefangen, die ich aus ihrem Schulbuch hatte. Ich habe auch meine eigenen Englisch-Bücher aus der Schulzeit mitgebracht, sodass ich hier auf jeden Fall genug Material habe, um Englisch zu unterrichten. Ich denke, wenn ich jetzt die ersten Stunden hinter mir habe, werde ich mir mal ein paar Ziele überlegen, die ich im Laufe meiner Zeit hier erreichen möchte. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass es mit dem Vorlesen und der Aussprache bei den meisten noch nicht so gut klappt. Also werde ich daran auf jeden Fall arbeiten. Um den Überblick zu behalten welche Übungen ich mit den Kindern mache, habe ich ein kleines Heft angefangen, in das ich eintrage was ich für die Stunde geplant habe, was ich davon tatsächlich umgesetzt habe und welche Beobachtungen oder Ideen ich während des Unterrichts hatte. So wird sich dann wahrscheinlich auch herauskristallisieren welche Probleme die Kinder noch haben, sodass ich darauf reagieren kann. Ich hoffe, dass ich dann in ein paar Wochen erste Fortschritte sehe und merke, dass der Unterricht auch tatsächlich etwas bewirkt. 🙂
Zum Unterricht im Kloster gibt es dann demnächst nochmal einen eigenen Bericht 😉
