Wie man sich vielleicht vorstellen kann, wimmelt es in Nepal nur so von Bergen. Das was man bei uns in Norddeutschland als Berg oder Gebirge kennzeichnet, wird hier wahrscheinlich nicht mal Hügel genannt. Denn egal wo man hinguckt, gibt es Berge, die ihren Namen auch tatsächlich verdienen. Wenn ich dann mal irgendwann alle Fotos hochgeladen habe, wird das vielleicht auch deutlicher. 😉
Ganz im Norden Nepals an der Grenze zu Tibet befinden sich mit dem Himalaja-Gebirge gleichzeitig auch die höchsten Berge der Welt. Wenn es dann weiter in Richtung Süden geht, werden die Berge zwar kleiner, bleiben aber für jemanden, der bisher eigentlich nur das Wiehengebirge, den Teutoburger Wald und vielleicht noch das Eggegebirge kennt, sehr beeindruckend. Ganz im Süden Nepals werden die Berge immer weniger und machen dagegen eher einem dschungelartigen Gebiet Platz. So wurde mir zumindest berichtet. Dort gibt es dann zum Beispiel auch Elefanten und Tiger. Wobei mir gesagt wurde, dass es hier in meiner Gegend auch Tiger gibt. Allerdings habe ich noch keinen gesehen. 😉
Das Kloster selbst befindet sich auf einem Hügel, der bis vor ca. zehn Jahren noch mit dichtem Wald besetzt war. Dann hat man angefangen das Kloster zu bauen und hat den Wald dementsprechend abgeholzt. Aus meinem Fenster blicke ich in ein Tal voller Reisfelder. Dieses Tal ist eigentlich ringsum von Bergen eingeschlossen. Einer davon beginnt quasi direkt vor der Haustür des Klosters. Dieser Berg trägt den Namen „Hattiban“, was übersetzt soviel wie „Elefant“ bedeutet. Der Name kommt daher, dass der Berg so aussieht wie ein Elefantenkopf. Mit etwas Fantasie sieht man den Rüssel und die Ohren 🙂
Als ich hier angekommen bin, wurde mir gesagt, dass es auf dem Gipfel dieses Berges ein Restaurant und Hotel gibt, von dem man eine gute Aussicht auf Kathmandu und das Himalaja-Gebirge hat. Also hatte ich mir von Anfang an vorgenommen, da einmal hinauf zu wandern, um mir das mit eigenen Augen anzusehen. Schon wenige Tage nach meiner Ankunft habe ich den ersten Versuch gestartet, habe ihn aber schon nach kurzer Zeit abgebrochen, da mir die Puste gefehlt hat. 😀
Jetzt vor ein paar Tagen habe ich dann einen neuen Versuch gestartet. Beim Aufstieg habe ich eine Straße genutzt, die mit vielen Serpentinen nach oben führt. Diese Straße ist eher ein staubiger Weg, der gerade breit genug ist, um einem Auto Platz zu bieten. Ich bin direkt morgens nach dem Frühstück los und habe mir Zeit gelassen und immer mal wieder kleine Pausen eingelegt, um ein paar Fotos zu machen. Irgendwann kam ich dann bei dem besagten Hotel an, das von außen einen hübschen Eindruck gemacht hat. Es gab jetzt nur ein Problem: Neben dem Eingang hing ein Schild, das darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Anlage nur für Personen zugänglich ist, die eine Reservierung im Hotel oder dem Restaurant haben. Bei meinem ersten Versuch hatte ich das Schild schon am Fuße des Berges gesehen. An diesem Tag war mir das jedoch unten nicht aufgefallen. War natürlich etwas ärgerlich, den ganzen Weg hochzugehen und dann im Prinzip vor verschlossenen Türen zu stehen. Wobei die Tür eigentlich nicht verschlossen war. Es gab ein kleines Tor, durch das man auf die Anlage gelangt ist. Ein Weg hat von diesem Tor zu einem Haupthaus geführt. Neben diesem Haupthaus gab es weitere kleinere Häuser, die mit Buchstaben versehen waren – wahrscheinlich die einzelnen Wohnhäuser des Hotels.
Ich habe meinen Rucksack erstmal auf einer Bank am Parkplatz abgestellt und bin mal ein bis zwei Schritte auf diesen Weg gegangen, um die Lage auszukundschaften. Direkt neben dem Tor gab es ein kleines Wachhäuschen, das in dem Moment aber nicht besetzt war. Im Hintergrund waren ein paar Männer beschäftigt, einen LKW auszuladen. Ich habe mich dann auf die Bank zu meinen Sachen gesetzt, etwas getrunken, während ein paar Angestellte auf das Gelände des Hotels gegangen sind. Nachdem ich den Dritten dann freundlich gegrüßt habe, habe ich mir gedacht, dass Dreistigkeit in diesem Fall siegen wird, habe mir meine Sachen geschnappt und bin selbstbewusst auf das Gelände gegangen, um mir meine wohlverdiente Aussicht abzuholen. 😉
Auf dem Gelände bin ich den Angestellten so gut es ging aus dem Weg gegangen und habe mich zum Rand des Geländes begeben. Dort konnte ich dann vor lauter Wolken und/oder Smog über Kathmandu jedoch nicht wirklich etwas sehen. Im Hintergrund konnte man ein paar Gipfel des Himalaja-Gebirges sehen, allerdings auch nur diesig. Also habe ich etwas enttäuscht das Gelände verlassen, ohne von irgendwem angesprochen worden zu sein.
Das Hotel lag jedoch nicht auf dem eigentlichen Gipfel des Berges, sondern auf einer Art Plateau. Da mein Ehrgeiz geweckt war und ich mir gedacht habe, dass es blöd klingt wenn ich sage, dass ich zwar den Berg hoch bin, aber an diesem Plateau wieder kehrt gemacht habe, wollte ich dann unbedingt zum tatsächlichen Gipfel weiter. Der weitere Anstieg war dann natürlich nicht weniger anstrengend, da es vor allem keinen richtigen Weg mehr gab. Nur eine Art Trampelpfad, dem ich gefolgt bin. Während des Aufstiegs hat man immer mal wieder Leute gesehen, die Vorbereitungen für ein Picknick treffen. Meine Tour war an einem Samstag, der für Nepalesen das einzige Wochenende ist. Die meisten Familien verbringen diesen Tag gemeinsam in der Natur und veranstalten ein Picknick.
Irgendwann habe ich an einer guten Stelle eine Pause eingelegt, um etwas zu trinken und einen Apfel zu essen. Da wurde ich dann von drei anderen Wanderern überholt. Die zwei Frauen und der Mann waren recht flott unterwegs. Nach ein paar Minuten bin ich ihnen zum Gipfel gefolgt, konnte sie dann aber nicht mehr sehen, da sie bereits hinter einer Kuppe verschwunden waren. Erst am Gipfel habe ich sie wieder getroffen. Im Gespräch mit ihnen hat sich dann herausgestellt, dass sie aus Nepal sind und dass die zwei Frauen aus einem Dorf in der Nähe des Mount Everests kommen. Das hat dann auch den rasanten Aufstieg erklärt. Der Mann hat mir dann noch gesagt, dass eine der Frauen den 100km Trailrun in Hong Kong gewonnen hat. Für die drei war der Aufstieg also eher so etwas wie eine lockere Trainingseinheit, wohingegen ich mich recht abmühen musste. Den Abstieg haben die drei dann joggend begonnen 😀
Ich habe vorher noch die Aussicht genossen und bin dann langsam wieder runter und zurück zum Kloster. Andere Wanderer hatten mir gesagt, dass der Berg über 2000m (zum Vergleich: Wiehengebirge 320m, Teutoburger Wald 446m, Eggegebirge 464m) hoch ist, womit ich dann den ersten Zweitausender meines Lebens bezwungen hätte. Das Kloster dürfte etwa 500m darunter liegen.
War auf jeden Fall eine gute Trainingseinheit für meine geplante Trekking-Tour am Ende meines Aufenthaltes hier in Nepal. Ende Februar werde ich für ca. zwei Wochen nach Pokhara reisen, um dort die Annapurna-Basecamp-Tour zu machen. Ich weiß nicht genau wie hoch es da hinaus geht, aber ich denke, dass es irgendwo zwischen 2000 und 3000m sein wird. 🙂
Über den Wolken
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