Wie versprochen jetzt einige Geschichten, die ich hier im Laufe der ersten Tage aufgeschnappt habe.
Bei unserer Sightseeing Tour sind wir auch am Königspalast gewesen. Nepal bestand mal aus vielen einzelnen Königreichen, die dann alle von einem bestimmten König vereinigt wurden. Dieser lebte dann in Kathmandu. Direkt neben dem Palast gab es ein Haus, indem die Göttin des Königs in Gestalt einer Frau gelebt hat. Dies war nur dem König bekannt. Und so hat er sich jeden Tag heimlich zu diesem Haus geschlichen, um sich von der Göttin beraten zu lassen. Bis eines Tages die Frau des Königs misstrauisch wurde und dem König gefolgt ist. Sie hat dann ebenfalls die Göttin gesehen, was diese bemerkt hat. Daraufhin ist die Göttin verschwunden und hat dem König danach nicht mehr geholfen. Eines Tages ist sie ihm dann noch einmal im Traum erschienen und hat ihm aufgetragen, ein Mädchen mit bestimmten Merkmalen zu finden. In diesem Mädchen würde die Göttin sich quasi aufhalten. Seit diesem Tag gibt es den Brauch der Kumari. Die so ausgewählten Mädchen wohnen das ganze Jahr über im gleichen Haus und dürfen dieses nicht verlassen. Nur zu bestimmten Festen, die es ca. zwei Mal im Jahr gibt, verlassen die Kumari das Haus und werden auf einem Wagen durch die Stadt gezogen. Dabei darf eine Kumari jedoch nicht den Boden berühren und wird deswegen getragen wenn sie nicht in ihrem Wagen sitzt. Die Mädchen sind meistens zwischen drei und vier Jahren alt wenn sie als Kumari ausgewählt werden. Diesen Posten behalten sie solange bis sie das erste Mal Blut verlieren, sei es durch eine äußerliche Verletzung oder durch die Menstruation. Das ist dann das Zeichen, dass die Göttin das Mädchen verlassen hat und es wird ein neues Mädchen ausgewählt. Das Mädchen, dass dann keine Kumari mehr ist, kehrt dann in ein ganz normales Leben zurück. Mittlerweile hat ein Mädchen, dass Kumari war, keine besonderen gesellschaftlichen Nachteile mehr. Früher galt es als unglückbringend wenn man eine ehemalige Kumari geheiratet hat. Heute ist das nicht mehr so. Eine ehemalige Kumari ist sogar danach Computerwissenschaftlerin geworden. 🙂
Eine weitere Station bei unseren Sightseeing Touren in Kathmandu war auch der “Monkey Temple”. Der heißt eigentlich anders, aber alle nennen ihn so, weil es dort viele Affen gibt, die sich dort frei bewegen können. Über diesen Tempel wurden mir zwei verschiedene Legenden erzählt wie er entstanden sein soll und ich hoffe, dass ich bei der Nacherzählung nichts verwechsle oder falsch erzähle.
In der ersten Geschichte bestand das Kathmandu Tal einmal vor langer Zeit aus einem riesigen See. Irgendjemand ist dann auf diesem See gewesen und hat eine kleine Insel entdeckt, die er wunderschön fand. Also ist er zu der Insel mit dem Boot gefahren und hat dort einen Tempel errichtet. Dann hat er mit seinem magischen Schwert einen Teil des Berges abgeschnitten, sodass das Wasser verschwunden ist. Der Tempel steht auch nach wie vor noch auf der Spitze eines kleinen Berges.
Die zweite Version geht so: Auch hier ist das Kathmandu Tal vor langer Zeit ein See gewesen. Doch anstelle einer Insel, wurde hier eine Stelle im See gewählt, die besonders schön war. Dort hat derjenige, der die Stelle gefunden hat dann einen Pflanzensamen hinein geworfen. Daraus ist dann eine Pflanze gewachsen, deren Blüte eine brennende Kerze umschlossen hat. Hierauf wurde dann der Tempel gebaut.
Ich hoffe, dass ich die Geschichten korrekt wiedergegeben habe und nichts während der Übersetzung von Nepalesisch über das Englische ins Deutsche verloren gegangen ist. 😉
