Mittendrin statt nur dabei

Dass ich nicht nur im Kloster aktiv bin, sondern auch in der Schule hat den Vorteil, dass mich einige Leute hier aus dem Dorf besser kennen als wenn ich nur im Kloster unterrichten würde. Das hat neulich dazu geführt, dass ich nicht nur Zuschauer bei einer Feier war, sondern auch direkt mit eingeladen wurde daran teilzunehmen. 🙂
Ich hatte mittags auf dem Weg zur Schule gesehen, dass an dem Schrein, der direkt an der großen Straße hier ist, eine kleine Feier war. Es wurde Musik gespielt und es befanden sich einige Leute auf dem kleinen Platz vor dem Schrein. Ich bin für einen kurzen Moment stehen geblieben, musste dann jedoch weiter zur Schule, um nicht zu spät zu kommen. Nach dem der Unterricht dann vorbei war, lief diese Feier immer noch, sodass ich schnell zu meinem Zimmer bin, um meine Kamera zu holen. Ich hatte die Hoffnung vielleicht ein paar gute Bilder zu machen. Also bin ich mit der Kamera zu der Bushaltestelle und habe erstmal versucht herauszufinden, worum es da genau geht. Von einem Mann, der dort jeden Tag Snacks von einem kleinen Tisch aus verkauft, die in alte Schulbuchseiten gefüllt werden, habe ich zwar eine Pappe bekommen, um nicht direkt auf der Betonplatte dort sitzen zu müssen. Es gab jedoch keine richtige Auskunft zum Geschehen. Ich hatte vorher mal gehört, dass es manchmal nicht erlaubt ist in einem Hindu-Tempel Fotos zu machen und dass man in jedem Fall vorher fragen sollte. Hier war ich mir jetzt auch unsicher ob ich so einfach Fotos machen kann und ob ich dafür einfach auf das Gelände des Schreins gehen kann.
Die Tatsache, dass die Schulkinder meiner Grundschule dann Schulschluss hatten und zu der Bushaltestelle gegangen sind, um mit dem Schulbus nach Hause zu fahren, hat dann erstmal dafür gesorgt, dass ich Fotos von den Kindern gemacht habe. Nachdem die Kinder abgefahren sind, ist dann ein Schüler aus meiner Englisch-Klasse zu diesem Schrein gegangen. Ihn habe ich dann gefragt ob es möglich ist, dort auch hinzugehen und Fotos zu machen. Er meinte, dass das kein Problem sei und ich das gerne machen könnte. Vorher hatte ich zwei Lehrerinnen der Schule unter den Menschen dort am Schrein gesehen, die mich ebenfalls erkannt hatten.
Während ich die Situation dann auf mich habe wirken lassen, hat mir ein älterer Mann ein Zeichen gegeben, dass ich mich zu ihm setzen kann. Man muss sich das so vorstellen, dass alle aktiven Gäste auf Matten auf dem Boden saßen und dort gesungen oder Instrumente gespielt haben. Ich habe mich natürlich geehrt gefühlt, dass ich mich dazu setzen darf und habe dann ebenfalls meine Schuhe ausgezogen so wie es alle gemacht haben, die auf den Matten saßen. Ich habe dann von dort aus weitere Fotos und kleine Videos gemacht, bis ein anderer Gast auf mich zu kam, um etwas über mich zu erfahren. Als dieser andere Gast dann angemerkt hat, dass ich den älteren Mann neben mir kennen würde, ist mir erst aufgefallen wer das ist: Das war einer der Sicherheitsleute, die hier das Tor vom Kloster bewachen. Das hätte mir eigentlich schon früher auffallen müssen, da er einen sehr ausgeprägten Schnurrbart trägt. Aber mit seinem Gewand und der Art Turban, den er bei dieser Feier trug, sah er total anders aus als wenn er am Tor arbeitet. 🙂
Mir wurde erklärt, dass die Feier zu Ehren eines bestimmten Gottes abgehalten wird und dass es Teil der newarischen Kultur ist. Dies ist eine besondere Kaste in Nepal. Diese Feierlichkeit war gleichzeitig auch so etwas wie eine Übungseinheit für die Leute, die in etwa meinem Alter oder jünger sind. Die haben von insgesamt drei Lehrern immer wieder Hinweise bekommen, wie sie zum Beispiel trommeln müssen. Der Mann vom Tor des Klosters, der mich eingeladen hat, neben ihm zu sitzen, war einer dieser drei Lehrer. Die Lehrer und die Schüler haben dabei traditionelle Gewänder getragen. Die Lehrer so eine Art Turban. Die Schüler waren in rot und schwarz gekleidet. Die männlichen Schüler hatten eine rote Schärpe um und die Frauen hatten eine Rosenblüte und goldenen Schmuck im Haar. Alle hatten rote Farbe auf den Wangen und Tikas auf der Stirn.
Ich wurde dann noch dazu eingeladen, nach dem Ende der Lieder an dem Schrein, mitzukommen zu zwei anderen Schreinen in dem Dorf und dann noch beim Abendessen und Zusammensein zu bleiben. Die Einladung habe ich gerne angenommen und bin dann mit den Leuten zusammen durch das Dorf gezogen. Dabei kamen auch ein paar Kinder dazu, die ich aus der Schule kannte. 🙂
Der Mann vom Tor, hat mir dann noch seine Blumenkette umgehängt, die ich dann tragen und mit nach Hause nehmen durfte. An den zwei Schreinen, wo wir dann hingegangen sind haben wir uns jeweils ein paar Minuten aufgehalten, bevor wir dann weitergegangen sind. Nach dem letzten Schrein, ging es dann auf die andere Straßenseite, wo sich das alte Gebäude der Schule befand, wo ich zur Zeit unterrichte. Dort sollte das gemeinsame Abendessen stattfinden. Hier habe ich dann auch den Mann getroffen, der neben dem Direktor als einziger Mann in meiner Schule arbeitet. Wie sich dann herausgestellt hat, ist er dort nicht nur Hausmeister (wie ich immer gedacht habe), sondern auch Lehrer. Er hat mir dann sehr stolz berichtet worum es bei dieser Feier geht. Er hat mir auch erzählt, dass der Mann vom Klostertor sein Onkel ist und dass einer der Schüler aus meiner Klasse sein Sohn ist. Und er hat mir noch erzählt, dass er für die Feier selbst hergestellten Schnaps mitgebracht hat und eine Art Reisbier. Davon durfte ich dann kosten. Das Bier war süß und hat nicht wirklich nach Bier geschmeckt, war aber trotzdem gut. Der Schnaps war dagegen etwas härter, war jedoch nicht so hart, dass man ihn nicht trinken konnte. Er hat wie ein milder Whisky geschmeckt.
Nachdem dann noch ein paar Lieder gespielt wurden, ist die Gemeinschaft in die oberste Etage auf die Dachterrasse gegangen, während ich noch mit dem Mann von der Schule unten geblieben bin, um newarisches Essen zu kosten. Danach sind auch wir hochgegangen und haben uns dazu gesetzt. Man muss sich das auf der Dachterrasse so vorstellen, dass am Rand dieser rechteckigen Terrasse wieder Matten ausgelegt waren, worauf dann alle Platz genommen haben. Wir saßen also alle in einem großen Rechteck. Dann gab es als allererstes für jeden ein gekochtes Ei, dass von außen mit irgendeiner Paste eingeschmiert war, die dem Ei etwas Würze verliehen hat. Dazu gab es ebenfalls einen kleinen sehr kross gegrillten Fisch und ein Stück Brot, dass wie Pfannkuchen geschmeckt hat. Parallel hat jeder einen Becher mit Schnaps bekommen, wobei die Kinder natürlich nur Softdrinks bekommen haben. Nach dieser Vorspeise gab es dann die eigentliche Mahlzeit. Jeder hat einen Teller bekommen, der aus bestimmten Blättern eines Baumes geflochten war. Wenn ich das richtig verstanden habe, waren die Teller selbst gemacht. Andere Personen sind dann mit Töpfen reihum gegangen und haben jedem etwas von dem Gericht im Topf auf den Teller getan. Ich kann gar nicht mehr genau sagen was das alles war. Es war aber nach dem Frühstück in Kathmandu das zweite Mal, dass es für mich Fleisch gab, seitdem ich im Kloster wohne. Das Essen wurde dann mit der Hand gegessen, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ich habe mich dabei wahrscheinlich auch nicht besonders geschickt angestellt. Das ist jedoch nicht aufgefallen, da es bereits dunkel war und es am Anfang keinen Strom gab. Irgendwann hatte ich dann eine gewisse Routine beim Essen mit den Fingern. 😉
Nachdem Essen verlief sich das Ganze dann und die ersten sind nach Hause gegangen. Ich wurde dann von dem Mann von der Schule nach zum Kloster gebracht. Den Weg hätte ich auch alleine gefunden, aber der Mann hat darauf bestanden und meinte, dass es nachts durchaus gefährlich werden könnte, weil in der Gegend auch Tiger und Leoparden wohnen. So bin ich dann sicher nach Hause gekommen, wo ich dann auch die Wirkung des selbst hergestellten Schnaps gemerkt habe. An dem Abend bin ich sehr früh, dafür aber auch sehr glücklich über diese interessante Erfahrung ins Bett gefallen. 😀
Am nächsten Tag wurde ich übrigens schon zu der nächsten Feier eingeladen. Die geht über zwei Tage. 😉

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