Mein Zimmer hier im Kloster liegt im Erdgeschoss. Beziehungsweise je nachdem wo man steht, könnte es auch das erste oder zweite Untergeschoss sein. Das ist hier relativ, das das Kloster auf einem Hügel liegt und es mehrere Eingänge gibt, die in das Wohnheim führen. Der Eingang zu meinem Flur ist jedoch der allererste, an dem man vorbeikommt wenn man hier zum Kloster kommt. Man kann auf der einen Seite noch am Gebäude vorbeigehen und kommt dann unter anderem direkt an meinem Fenster vorbei. Daher sind die Fenster in meiner Etage auch vergittert. Zumindest ist das meine Vermutung, warum sich vor meinem Fenster Gitter befinden 😉
Die Tür vom Flur nach außen ist immer geöffnet. Auch nachts. Trotzdem können hier keine Personen rein, die nicht zum Kloster gehören, da an den meisten Stellen um das Kloster herum Stacheldraht gezogen ist und es ein bewachtes Eingangstor gibt, das ab halb acht geschlossen ist. Trotzdem wird man leicht nervös, wenn man hier im Dunkeln auf dem Flur steht und versucht, das Vorhängeschloss seiner Tür zu öffnen und man nur das Licht einer Taschenlampe hat, da mal wieder kein Strom da ist. Wenn ich dann in meinem Zimmer bin, kann ich die Tür von innen mit zwei kleinen Metallriegeln sichern. Die bieten aber auch nur Schutz, solange niemand ernsthaft versucht, in mein Zimmer zu kommen. Soviel zur Ausgangslage. Jetzt zur eigentlichen Geschichte:
Neulich Nacht bin ich durch ein Geräusch wach geworden. Ich war mir von Anfang an recht sicher, dass es aus meinem Zimmer kam. Ich war natürlich sofort hellwach und habe überlegt was es sein könnte. In dem Moment lag ich so, dass ich auf die Wand neben meinem Bett blicken konnte. Ich hätte mich also zuerst umdrehen müssen, um etwas zu sehen. Da es jedoch noch mitten in der Nacht war, hätte ich sowieso nichts ohne Taschenlampe erkennen können. Also habe ich erstmal gelauscht und parallel darüber nachgedacht was es sein könnte. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich einen Menschen ausschließen konnte, da ich dann vorher schon die Geräusche von der Tür oder der Demontage des Gitters hätte hören müssen ;). Ein Hund konnte es demnach auch nicht sein. Es gibt ein paar, die hier frei auf dem Gelände rumlaufen, aber ich glaube nicht, dass die sich in mein Zimmer trauen. Ein Hund hätte ebenfalls Tür oder Fenster überwinden müssen. Also musste es etwas Kleineres als ein Hund und ein Mensch sein.
Auch die Geräusche deuteten auf etwas Kleineres hin. In meinem Zimmer befindet sich noch ein zweites Bett, wo ich meine alltäglichen Gegenstände und einen Teil meiner Kleidung liegen habe. Unter anderem lag da auch eine Packung Kekse und ein paar Äpfel. Und die Geräusche, die ich hören konnte, kamen von den Tüten die da ebenfalls lagen.
Ich lag noch immer so wie ich wachgeworden war. Mir war klar, dass wenn ich mich zuviel bewegen würde, sich der nächtliche Besuch verstecken würde oder verschwinden würde. Wenn ich also sehen wollte, was es ist und woher es kam, musste ich sehr schnell sein während ich mich umdrehe und zu der Taschenlampe am Boden greife, diese einschalte und dann den Raum ableuchte. Der Griff in die Schwärze zu meiner Taschenlampe hat mich dann noch einiges an Überwindung gekostet bis ich meinen Plan dann tatsächlich umgesetzt habe. Wie ich erwartet hatte, war ich jedoch zu langsam.
Meine Vermutung war, dass es sich bei dem Besuch entweder um eine Ratte oder eine Maus handeln musste. Ratten gibt es hier auf Grund der Müllsituation bestimmt massenhaft. Und Mäuse sicherlich auch. Ich hatte dann noch geguckt wie das Tier in mein Zimmer gekommen sein könnte und habe einen kleinen Spalt unter der Tür entdeckt. Unter der Tür ist insgesamt ein größerer Spalt, der jedoch schon vor meiner Ankunft mit Pappen abgeklebt war. Nur ganz am Rand, war die Pappe nicht richtig befestigt, sodass sie dort etwas nachgab.
Am nächsten Abend hatte ich mir die Taschenlampe auf dem Bett zurecht gelegt, da ich davon ausgegangen war, dass in der Nacht eventuell erneuter Besuch kommt. Und so war es dann auch. Im Prinzip war es genauso wie in der Nacht davor, nur dass ich dieses Mal mit der richtigen Blickrichtung wach geworden bin, meine Taschenlampe griffbereit lag und ich genau wusste, wo ich gucken konnte, um meine Theorie zu bestätigen. Und tatsächlich ist dann eine Maus durch diesen kleinen Spalt geschlüpft. Ich glaube zumindest, dass es eine Maus war. Da ich in der Nacht selbst keine Lust hatte aufzustehen und etwas zu dagegen zu unternehmen, habe ich mich wieder hingelegt, um die letzten Stunden der Nacht noch schlafend zu verbringen. 😉
Am nächsten Tag habe ich dann den Spalt mit Tape (leider kein Megaband) geschlossen und seitdem steht jede Nacht noch ein Schuh von mir an besagter Stelle, um der Maus ja keine Chance mehr zu lassen, in mein Zimmer zu kommen. 🙂
Ein nächtlicher Besuch
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