Archiv des Autors: Daniel Müller

Prophezeiungen

Einige Zeit bevor mein Aufenthalt im Kloster vorbei war, hatte ich mir eine dicke Erkältung eingefangen. Die Erkältung war etwas hartnäckiger und ich war mir unsicher ob ich meine Medikamentenvorräte anbrechen sollte. Meine Trekking-Tour stand kurz bevor und dafür wollte ich selbstverständlich fit sein, damit ich die Tour nicht absagen oder mittendrin abbrechen muss. Man merkt das nämlich deutlich wenn man Husten und Schnupfen hat und die Luft etwas dünner als normal ist. Im Kloster, das etwa in einer Höhe von 1500m lag, war ich während der Erkältung super schnell außer Atem wenn ich nur die Treppen oder kleine Steigungen gegangen bin. In dem Zustand hätte die Trekking-Tour keinen Sinn gemacht. Letztlich habe ich mich dann aber dazu entschieden, auf die Medikamente zu verzichten, da ich nach und nach Fortschritte gemerkt habe. 🙂
In dieser Zeit wurde ich eines Abends von einem der Mönche in sein Zimmer auf einen Tee eingeladen. Der Tee war selbstgemacht und sehr lecker. Unser Gespräch drehte sich dann am Anfang um meinen Aufenthalt im Kloster und meinen Unterricht. Ich habe dem Mönch erzählt, dass ich mich einerseits im Kloster wohl fühle, ich aber andererseits denke, dass man die Organisation des Unterrichts verbessern könnte. Dieser Hinweis rührte daher, dass ich das Gefühl gewonnen hatte, dass man sich nicht wirklich bemüht hat, den Unterricht in den Alltag zu integrieren. Ich habe natürlich nicht erwartet, dass da nur wegen mir alles über den Haufen geworfen wird. Aber man hätte sich mehr Mühe geben können und die Kommunikation mit mir deutlich verbessern können. So habe ich zum Beispiel erst am Morgen eines Tages erfahren ob es an dem Tag Unterricht gibt oder nicht. Es ist häufiger passiert, dass ich dann feststellen musste, dass es keinen Unterricht gibt, weil die Mönche putzen müssen oder im Tempel Gebetsstunden haben. Diese Dinge gingen dann meistens bis zum Mittagessen und dann waren die Mönche fertig und hatten den Großteil des Nachmittages frei. Hätte man mit mir gesprochen und den Ablauf leicht angepasst, wären auch Englisch Stunden möglich gewesen.
In dem Kloster gibt es nur Englisch Unterricht wenn ein Freiwilliger vor Ort ist. Was natürlich ein Problem darstellt, da die Mönche so keine richige Ausbildung in dieser Sprache erhalten. Wenn ich da dann einer der Obermönche wäre, würde ich doch alles dafür tun, dass der Unterricht auch stattfindet wenn ein Englisch-Lehrer im Kloster ist. So habe ich in der gesamten Zeit an 13-15 Tagen wirklichen Unterricht gegeben. 🙁
Die Mönche lernen in der Regel nur etwas über den Buddhismus und Tibetisch wenn kein Freiwilliger da ist, was von meinem Tee-Gastgeber und mir auch als Problem identifiziert wurde, da sich so nur Nachteile für die Mönche ergeben, die später einmal das Kloster verlassen möchten, um zum Beispiel als Meditationslehrer oder Touristenführer arbeiten möchten oder vielleicht sogar etwas vollkommen anderes machen möchten, was nichts mit dem Buddhismus zu tun hat. Durch die fehlende umfassende Schulbildung haben diese Mönche dann keine richtigen Chancen auf dem nepalesischen Arbeitsmarkt.
Als der Tee fast alle war, hat der Mönch noch eins seiner Bücher geöffnet. In diesem Buch befanden sich einige Listen mit symbolischen Tieren, Elementen und weiteren Angaben. Nachdem er mich dann gefragt hatte in welchem Monat und Jahr ich geboren wurde, konnte er mir dann sagen welches Symboltier zu mir gehört. Es ist der Drache. Damit sind einige Eigenschaften verknüpft. Wenn man den neuen Hobbit-Film gesehen hat, könnte man meinen, dass ich einen riesigen Berg mit Gold und Juwelen in meiner Zukunft erwarten kann, aber davon war leider nicht die Rede 😉
Es ging eher darum, dass der Drache für „power“ steht. Im Deutschen bedeutet das Macht und Kraft. Es bedeutet aber auch zugleich, dass man vorsichtig sein muss wenn der Drache wütend wird, da er dann sehr zerstörend sein kann (wie man dann wahrscheinlich im dritten Hobbit-Film sehen wird). Die Beurteilung was davon bei mir zutrifft, überlasse ich euch ;). Zum Drachen passen übrigens keine Menschen, deren Symboltier Tiger, Schaf, Hase oder Pferd ist 😀
Mir wurde dann noch gesagt, dass mein Element Erde ist. Was das genau bedeutet, konnte er mir nicht zu hundertprozent sagen, aber da lässt sich sicherlich viel hinein interpretieren wie zum Beispiel Bodenständigkeit oder dass aus einer guten Erde viel wachsen kann ;). Zu dem Element Erde passen nicht die Elemente Eisen und Feuer.
Mit eins der letzten Themen war dann noch wie ich mir meine persönliche Zukunft (Familie, Hochzeit,…) vorstelle. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich irgendwann heiraten möchte und dann auch Kinder haben möchte, woraufhin der Mönch dann nochmal sein Buch zu Rate gezogen hat, um mir zu sagen welche Jahrgänge eine gute Wahl wären und welche Jahrgänge eine schlechte Wahl wären. Heiraten sollte ich zum Beispiel nicht jemanden aus den Jahrgängen 1986 und 1985. Eine gute Wahl dagegen wären dagegen die Jahrgänge 1988, 1989, 1990, 1991, 1992, 1993 und 1994. Ich habe keine Begründung für diese Auswahl bekommen, aber es sieht so aus als ob ich jemanden Jüngeres heiraten sollte 😀
Eigentlich wollte der Mönch noch mit mir zu einem anderen Mönch, der auf Grund der Handlinien etwas über die Zukunft sagen kann, aber leider ist es dazu nicht mehr gekommen. Wäre bestimmt auch interessant geworden 😉

Wieder zu Hause

Wie ihr euch denken könnt, bin ich mittlerweile wieder in Deutschland. Der Rückflug ist ohne Probleme verlaufen. Es gab nur ein paar interessante Momente vor dem eigentlichen Abflug. Aber dazu an anderer Stelle mehr. 😉
Ich hatte ja eigentlich angekündigt, in den letzten Tagen in Nepal die verbliebenen Artikel zu posten. Nur leider hat sich das als recht schwierig erwiesen. In meinem Hotel in Kathmandu gab es keinen Generator, also gab es regelmäßig keinen Strom und damit auch kein WLan. Wenn es dann mal Strom gab, hat das WLan meist nicht richtig funktioniert, sodass ich nicht ins Internet konnte. Blöd gelaufen…
Dementsprechend werde ich jetzt von Deutschland aus die Artikel nachholen und posten. Und natürlich werde ich mich auch bald darum bemühen, die Fotos meiner Nepalreise online zu stellen. 🙂
Ich hoffe, dass ich morgen im Laufe des Tages die ersten Artikel in einer ausreichend guten Qualität verfasst habe, sodass morgen Abend der nächste Artikel zu Nepal kommen wird 🙂

Letzte Tage in Nepal

Ich habe das Trekking heile überstanden. Auch wenn es am Anfang auf Grund des Wetters nicht danach aussah, haben wir es doch bis ins Annapurna Base Camp geschafft und haben dort auch eine Nacht verbracht. Es war sehr sehr kalt sage ich euch 😉
Details folgen natürlich noch. Auch zu meinem Paragliding Flug, den ich am Tag nach dem Ende der Trekking Tour hatte.
Ich bin jetzt wieder in Kathmandu und habe dementsprechend wieder etwas leichteren Zugang zum Internet – auch wenn hier regelmäßig die Stromabschaltungen dafür sorgen, dass ich nicht ins Internet kann. Ich werde trotzdem versuchen die ausstehenden Artikel zu schreiben, sodass diese zeitnah veröffentlich werden können.
Momentan bleiben mir noch vier Nächte hier in Nepal und dann ist dieses Abenteuer vorbei und es geht nach Hause. Darauf freue ich mich natürlich schon sehr 😉
Jetzt genieße ich hier noch die letzten Tage und habe eigentlich nichts mehr größeres geplant. Hier im Hotel ist momentan eine etwa 15-köpfige Gruppe, die über die gleiche Organisation hier in Nepal ist. Die werden sogar für ein paar Tage an „meiner“ Grundschule arbeiten und dort ein Badminton Feld errichten. Mit denen war ich gestern Abendessen und heute werde ich wohl wieder mit ihnen zusammen was essen gehen. Die Gruppe ist aus Japan, wobei auch zwei Amerikaner darunter sind, die sich gestern zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren wieder gesehen haben. Dem einen davon werde ich wohl später noch die Fotos vom Trekking zeigen, da er am überlegen ist ob er die Tour selbst machen möchte.
Ich glaube zu den Japanern wird es einen eigenen Artikel geben. Es ist so lustig zu beobachten wie die sich in manchen Situationen verhalten. Das soll jetzt nicht herablassend klingen, sondern es ist einfach super interessant und für jemanden, der die japanischen Gebräuche und Sitten (noch) nicht kennt auch einfach manchmal witzig. Heute morgen beim Frühstück hätte ich mich fast kaputt gelacht. Details dazu wird es dann in besagtem Artikel geben 😉
Morgen gehe ich eventuell ins Kino und schaue mir irgendeinen Film an. Donnerstag ist hier ein großes Fest in Nepal („Shiva Ratri“). Freitag werde ich einen Überraschungsbesuch in meinen Schulen machen und am Samstag geht dann schon mein Flieger zurück nach Deutschland.

Auszug aus dem Kloster und Beginn des Trekkings

Hier in Nepal ist es gerade 05:40 Uhr am Morgen. Gestern bin ich aus dem Kloster ausgezogen und wurde nach Kathmandu gebracht. Dort befinde ich mich jetzt frisch geduscht in einem Hotelzimmer und werde in einer halben Stunde von meinem Trekking-Guide abgeholt. Dementsprechend habe ich leider nicht so viel Zeit, detailliertere Artikel zu verfassen. Während des Trekkings habe ich wahrscheinlich keine Möglichkeit, ins Internet zu können, sodass ihr weitere Artikel erst Ende Februar bekommen werdet, wenn ich zurück in Kathmandu bin.
Gestern und vor allem der Dienstag waren jedenfalls die härtesten Tage meiner Nepal-Reise bisher. Zumindest auf emotionaler Ebene. Der Abschied vom Kloster ist mir relativ leicht gefallen, da ich nicht das Gefühl hatte, dass die Leute mich vermissen werden. Dafür war der Abschied von den Schulen und den Schülern umso schwerer. Ich werde davon demnächst nochmal ausführlicher berichten. Ich kann nur soviel sagen, dass die Entscheidung, nach Nepal zu kommen und an den Schulen zu unterrichten, die absolut richtige war. Ich hatte die schönste Zeit hier mit den Leuten im Dorf und vor allem mit den Kindern. Es war eine wunderschöne Erfahrung, jeden Tag mit den Kindern zu spielen und zu spüren wie sehr die Kinder einen mögen – auch wenn es mir jetzt beim Abschied einige Tränen beschert hat 😉
Ich habe allen im Dorf versprochen, dass ich in einem oder zwei Jahren zurückkommen werde, um alle wieder zu besuchen. Es wird also eine weitere Nepal-Reise geben, von der ich berichten kann. 😀
Jetzt muss ich mich aber erstmal fertig machen. Und dann geht es los mit der siebenstündigen Fahrt nach Pokhara 😉

Tiefster Winter

Woran merkt man, dass hier tiefster Winter herrscht? Spät am Nachmittag beginnt ein kräftiger, kalter Wind zu wehen, sodass ich mir abends meine Mütze aufsetze. Die Sonne, die einen sonst den ganzen Tag gewärmt hat, wird häufiger von Wolken bedeckt als sonst und morgens ist sogar etwas Frost auf den Feldern zu erkennen. Und es gibt natürlich immer weniger Strom am Tag. Gefühlt hatten wir die letzten Tage vielleicht vier Stunden am Tag Elektrizität. Das macht es etwas schwierig, sein Handy aufzuladen, wenn man tagsüber nicht die ganze Zeit zu Hause bleibt. Und abends hofft man dann, dass sobald der Uhrzeiger die volle Stunde überschreitet, das Licht angeht. Es ist dann schon etwas enttäuschend wenn das nicht passiert und man noch mindestens eine weitere Stunde darauf warten muss. 😉
Das hat jedenfalls dazu geführt, dass ich hier in letzter Zeit immer früher ins Bett gegangen bin. Wenn man hier abends sitzt und man keinen Strom hat, kann man nicht allzu viel machen. Von den kleinen Mönchen, die hier zurzeit nur sind, ist hier dann auch meist nichts mehr zu hören. Und nachdem man dann länger bei Kerzenlicht gelesen hat, denkt man sich, dass man auch einfach ins Bett gehen könnte.
Neulich war es tagsüber etwas frischer auf Grund des von mir erwähnten Windes, sodass ich mir noch einen Zitronentee gönnen wollte. Ich habe mir dann eins meiner Bücher geschnappt und bin in ein kleines Restaurant gegangen, das sich in der Nähe der Bushaltestelle befindet. Nach dem ersten Tee habe ich dann noch einen bestellt. Irgendwann hat sich dann der Besitzer zu mir gesetzt und gefragt wo ich denn herkommen würde. Ich habe ihm gesagt, dass ich aus Deutschland komme, was er mit Freude zur Kenntnis genommen hat. Er hat mir dann erzählt, dass er mal mehrere Jahre Deutsch gelernt hat, weil er im „Hattiban Resort“ (das Restaurant und Hotel auf dem „Gipfel“ des Berges vorm Kloster) gearbeitet hat. Und weil dort immer so viele Deutsche zu Gast waren, die nicht so gerne Englisch gesprochen haben, hat er dann einfach ein bisschen Deutsch gelernt, damit er sich mit den Gästen unterhalten kann. Nach der Zeit in dem Restaurant war er dann in Dubai und ist danach zurück gekehrt, um das kleine Restaurant aufzumachen. Er hat mir dann noch voller Stolz sein Grundstück hinter dem Gebäude gezeigt, wo er sein Gemüse (u. A. Zwiebeln, Blumenkohl, Spinat,…) selbst anbaut. Er hat mir auch von seinen Plänen erzählt, dass er in den nächsten vier bis fünf Jahren gerne ein kleines Gästehaus aufmachen würde. Das würde dann direkt an die Mauer zum Kloster grenzen.
Während ich ihm viel Erfolg für dieses Vorhaben gewünscht habe, sind wir zurück an meinen Tisch gegangen, wo er mir dann noch eine andere Geschichte erzählt hat. Er meinte, dass ihm die Deutschen am Liebsten wären, weil sie so viel für das Dorf hier getan haben. Das hatte ich hier vorher noch nicht gehört, deswegen wusste ich nicht genau was ich sagen sollte. Das hat der Restaurantbesitzer dann gemerkt und hat mir erzählt, dass ein paar Deutsche, die hier im Resort waren, angefangen haben, das Dorf finanziell zu unterstützen. Sie bezahlen an jeder Schule hier im Dorf eine Lehrerstelle, leisten finanzielle Unterstützung für einige Familien, um die Schulbildung zu finanzieren und sie haben die kleine Klinik hier im Dorf mit aufgebaut. Er ist dann sogar mit mir zu der Klinik gegangen und hat sie mir gezeigt. An der Klinik ist eine Tafel angebracht, auf der auf deutsch und nepalesisch steht, wer dabei geholfen hat, die Klinik aufzubauen: der Hattiban Förderkreis. In der Klinik arbeitet ebenfalls eine Frau, deren Gehalt von diesem Förderkreis bezahlt wird. Sogar die Schule, an der ich unterrichte wurde mit diese Unterstützung aufgebaut.
Weil ich Deutscher bin und die Deutschen hier im Dorf so viel Unterstützung geleistet haben, behandeln mich hier alle mit mehr Respekt als sie es bei Personen aus anderen Ländern machen würden. So zumindest die Worte des Restaurantbesitzers. Ich hoffe natürlich, dass man mich nicht nur deswegen so gut und freundlich behandelt, sondern dass es auch etwas mit meiner Person zu tun hat 😉
Dadurch, dass ich hier jeden Tag Kontakt zu den Kindern des Dorfes habe sowie zu ein paar Lehrern und auch abseits der Schule die Leute und ihre Traditionen kennenlernen kann, sind mir die Leute hier ans Herz gewachsen (ganz besonders natürlich die Kinder meiner Schule:) ). Ich weiß nicht genau wieso, aber ich glaube, dass mir die Dorfbewohner sogar etwas lieber sind als die Mönche im Kloster. Daher werde ich mich mal nach diesem Förderkreis erkundigen und dann eventuell auch beitreten, um dem Dorf auch nach meiner Abreise weitere Unterstützung zu kommen lassen kann 😉