Archiv des Autors: Daniel Müller

Mittendrin statt nur dabei

Dass ich nicht nur im Kloster aktiv bin, sondern auch in der Schule hat den Vorteil, dass mich einige Leute hier aus dem Dorf besser kennen als wenn ich nur im Kloster unterrichten würde. Das hat neulich dazu geführt, dass ich nicht nur Zuschauer bei einer Feier war, sondern auch direkt mit eingeladen wurde daran teilzunehmen. 🙂
Ich hatte mittags auf dem Weg zur Schule gesehen, dass an dem Schrein, der direkt an der großen Straße hier ist, eine kleine Feier war. Es wurde Musik gespielt und es befanden sich einige Leute auf dem kleinen Platz vor dem Schrein. Ich bin für einen kurzen Moment stehen geblieben, musste dann jedoch weiter zur Schule, um nicht zu spät zu kommen. Nach dem der Unterricht dann vorbei war, lief diese Feier immer noch, sodass ich schnell zu meinem Zimmer bin, um meine Kamera zu holen. Ich hatte die Hoffnung vielleicht ein paar gute Bilder zu machen. Also bin ich mit der Kamera zu der Bushaltestelle und habe erstmal versucht herauszufinden, worum es da genau geht. Von einem Mann, der dort jeden Tag Snacks von einem kleinen Tisch aus verkauft, die in alte Schulbuchseiten gefüllt werden, habe ich zwar eine Pappe bekommen, um nicht direkt auf der Betonplatte dort sitzen zu müssen. Es gab jedoch keine richtige Auskunft zum Geschehen. Ich hatte vorher mal gehört, dass es manchmal nicht erlaubt ist in einem Hindu-Tempel Fotos zu machen und dass man in jedem Fall vorher fragen sollte. Hier war ich mir jetzt auch unsicher ob ich so einfach Fotos machen kann und ob ich dafür einfach auf das Gelände des Schreins gehen kann.
Die Tatsache, dass die Schulkinder meiner Grundschule dann Schulschluss hatten und zu der Bushaltestelle gegangen sind, um mit dem Schulbus nach Hause zu fahren, hat dann erstmal dafür gesorgt, dass ich Fotos von den Kindern gemacht habe. Nachdem die Kinder abgefahren sind, ist dann ein Schüler aus meiner Englisch-Klasse zu diesem Schrein gegangen. Ihn habe ich dann gefragt ob es möglich ist, dort auch hinzugehen und Fotos zu machen. Er meinte, dass das kein Problem sei und ich das gerne machen könnte. Vorher hatte ich zwei Lehrerinnen der Schule unter den Menschen dort am Schrein gesehen, die mich ebenfalls erkannt hatten.
Während ich die Situation dann auf mich habe wirken lassen, hat mir ein älterer Mann ein Zeichen gegeben, dass ich mich zu ihm setzen kann. Man muss sich das so vorstellen, dass alle aktiven Gäste auf Matten auf dem Boden saßen und dort gesungen oder Instrumente gespielt haben. Ich habe mich natürlich geehrt gefühlt, dass ich mich dazu setzen darf und habe dann ebenfalls meine Schuhe ausgezogen so wie es alle gemacht haben, die auf den Matten saßen. Ich habe dann von dort aus weitere Fotos und kleine Videos gemacht, bis ein anderer Gast auf mich zu kam, um etwas über mich zu erfahren. Als dieser andere Gast dann angemerkt hat, dass ich den älteren Mann neben mir kennen würde, ist mir erst aufgefallen wer das ist: Das war einer der Sicherheitsleute, die hier das Tor vom Kloster bewachen. Das hätte mir eigentlich schon früher auffallen müssen, da er einen sehr ausgeprägten Schnurrbart trägt. Aber mit seinem Gewand und der Art Turban, den er bei dieser Feier trug, sah er total anders aus als wenn er am Tor arbeitet. 🙂
Mir wurde erklärt, dass die Feier zu Ehren eines bestimmten Gottes abgehalten wird und dass es Teil der newarischen Kultur ist. Dies ist eine besondere Kaste in Nepal. Diese Feierlichkeit war gleichzeitig auch so etwas wie eine Übungseinheit für die Leute, die in etwa meinem Alter oder jünger sind. Die haben von insgesamt drei Lehrern immer wieder Hinweise bekommen, wie sie zum Beispiel trommeln müssen. Der Mann vom Tor des Klosters, der mich eingeladen hat, neben ihm zu sitzen, war einer dieser drei Lehrer. Die Lehrer und die Schüler haben dabei traditionelle Gewänder getragen. Die Lehrer so eine Art Turban. Die Schüler waren in rot und schwarz gekleidet. Die männlichen Schüler hatten eine rote Schärpe um und die Frauen hatten eine Rosenblüte und goldenen Schmuck im Haar. Alle hatten rote Farbe auf den Wangen und Tikas auf der Stirn.
Ich wurde dann noch dazu eingeladen, nach dem Ende der Lieder an dem Schrein, mitzukommen zu zwei anderen Schreinen in dem Dorf und dann noch beim Abendessen und Zusammensein zu bleiben. Die Einladung habe ich gerne angenommen und bin dann mit den Leuten zusammen durch das Dorf gezogen. Dabei kamen auch ein paar Kinder dazu, die ich aus der Schule kannte. 🙂
Der Mann vom Tor, hat mir dann noch seine Blumenkette umgehängt, die ich dann tragen und mit nach Hause nehmen durfte. An den zwei Schreinen, wo wir dann hingegangen sind haben wir uns jeweils ein paar Minuten aufgehalten, bevor wir dann weitergegangen sind. Nach dem letzten Schrein, ging es dann auf die andere Straßenseite, wo sich das alte Gebäude der Schule befand, wo ich zur Zeit unterrichte. Dort sollte das gemeinsame Abendessen stattfinden. Hier habe ich dann auch den Mann getroffen, der neben dem Direktor als einziger Mann in meiner Schule arbeitet. Wie sich dann herausgestellt hat, ist er dort nicht nur Hausmeister (wie ich immer gedacht habe), sondern auch Lehrer. Er hat mir dann sehr stolz berichtet worum es bei dieser Feier geht. Er hat mir auch erzählt, dass der Mann vom Klostertor sein Onkel ist und dass einer der Schüler aus meiner Klasse sein Sohn ist. Und er hat mir noch erzählt, dass er für die Feier selbst hergestellten Schnaps mitgebracht hat und eine Art Reisbier. Davon durfte ich dann kosten. Das Bier war süß und hat nicht wirklich nach Bier geschmeckt, war aber trotzdem gut. Der Schnaps war dagegen etwas härter, war jedoch nicht so hart, dass man ihn nicht trinken konnte. Er hat wie ein milder Whisky geschmeckt.
Nachdem dann noch ein paar Lieder gespielt wurden, ist die Gemeinschaft in die oberste Etage auf die Dachterrasse gegangen, während ich noch mit dem Mann von der Schule unten geblieben bin, um newarisches Essen zu kosten. Danach sind auch wir hochgegangen und haben uns dazu gesetzt. Man muss sich das auf der Dachterrasse so vorstellen, dass am Rand dieser rechteckigen Terrasse wieder Matten ausgelegt waren, worauf dann alle Platz genommen haben. Wir saßen also alle in einem großen Rechteck. Dann gab es als allererstes für jeden ein gekochtes Ei, dass von außen mit irgendeiner Paste eingeschmiert war, die dem Ei etwas Würze verliehen hat. Dazu gab es ebenfalls einen kleinen sehr kross gegrillten Fisch und ein Stück Brot, dass wie Pfannkuchen geschmeckt hat. Parallel hat jeder einen Becher mit Schnaps bekommen, wobei die Kinder natürlich nur Softdrinks bekommen haben. Nach dieser Vorspeise gab es dann die eigentliche Mahlzeit. Jeder hat einen Teller bekommen, der aus bestimmten Blättern eines Baumes geflochten war. Wenn ich das richtig verstanden habe, waren die Teller selbst gemacht. Andere Personen sind dann mit Töpfen reihum gegangen und haben jedem etwas von dem Gericht im Topf auf den Teller getan. Ich kann gar nicht mehr genau sagen was das alles war. Es war aber nach dem Frühstück in Kathmandu das zweite Mal, dass es für mich Fleisch gab, seitdem ich im Kloster wohne. Das Essen wurde dann mit der Hand gegessen, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ich habe mich dabei wahrscheinlich auch nicht besonders geschickt angestellt. Das ist jedoch nicht aufgefallen, da es bereits dunkel war und es am Anfang keinen Strom gab. Irgendwann hatte ich dann eine gewisse Routine beim Essen mit den Fingern. 😉
Nachdem Essen verlief sich das Ganze dann und die ersten sind nach Hause gegangen. Ich wurde dann von dem Mann von der Schule nach zum Kloster gebracht. Den Weg hätte ich auch alleine gefunden, aber der Mann hat darauf bestanden und meinte, dass es nachts durchaus gefährlich werden könnte, weil in der Gegend auch Tiger und Leoparden wohnen. So bin ich dann sicher nach Hause gekommen, wo ich dann auch die Wirkung des selbst hergestellten Schnaps gemerkt habe. An dem Abend bin ich sehr früh, dafür aber auch sehr glücklich über diese interessante Erfahrung ins Bett gefallen. 😀
Am nächsten Tag wurde ich übrigens schon zu der nächsten Feier eingeladen. Die geht über zwei Tage. 😉

Will sie oder will sie nicht?

Hier im Kloster spielen sich manchmal wahre Beziehungsdramen ab. Das kommt einer Soap, wie sie im Fernsehen läuft, schon recht nahe. Mittelpunkt des ganzen ist eine Mutter von zwei Kindern. Der Vater der Kinder lebt ebenfalls hier auf dem Gelände des Klosters. Dann gibt es noch einen Verehrer der Mutter. Die Mutter scheint das alles zu genießen und steht wohl gerne im Mittelpunkt. Mal sieht man sie mit dem Vater ihrer Kinder, mal mit ihrem Verehrer. Der Verehrer ist dabei wesentlich größer und kräftiger als der Vater, dafür ist der Vater in seiner Art aggressiver. Man merkt, dass die beiden sich nicht wirklich abkönnen. Die Mutter pflegt mit beiden jedoch einen sehr engen Kontakt. Natürlich nur wenn der jeweils andere nicht dabei ist. Letztens ist der Verehrer jedoch ein wenig zu weit gegangen, wofür er sich gleich die Quittung von der Mutter eingefangen ist. Mit gefletschten Zähnen, hat die Mutter den Verehrer in die Schranken gewiesen und ihm gezeigt, dass sie kein Interesse an einem intimen Verhältnis hat. Doch schon ein paar Tage später benehmen sich dann beide wieder so, als ob nie etwas gewesen wäre. Der Verehrer beschnuppert die Mutter weiterhin und diese lässt das geschehen ohne etwas zu sagen. Es ist natürlich von den Hunden die Rede, die hier auf dem Gelände des Klosters leben. 😉
Insgesamt gibt es sechs Hunde, wovon zwei noch recht klein sind (die Kinder der Mutter). Die beiden kleinen haben Angst vor mir und verkriechen sich jedes Mal jaulend wenn ich ihnen zu nahe komme. Vorher versuchen sie natürlich noch mich einzuschüchtern indem sie lautstark bellen. Da müssen sie aber noch ein wenig wachsen bevor das passiert. Die anderen Hunde sind schon etwas älter und dürfen sich hier ziemlich frei bewegen. Die Hunde ernähren sich hier im Prinzip von den Essensresten aus der Küche oder dem was die Mönche ihnen zuwerfen. Die Hunde können auch jederzeit das Gebäude, wo wir schlafen betreten, womit ich erstmal kein Problem habe, solange die nicht in mein Zimmer kommen. Das einzige Problem entsteht nur dann wenn einer der Hunde nachts meint, er müsste hier irgendwo auf dem Flur zeigen, dass er am Besten bellen kann. Der Schall wird hier so gut durch die Gänge transportiert, dass es sich immer so anhört als würde der Hund fast unmittelbar neben meiner Tür stehen. Das ist auf jeden Fall nervig wenn es morgens um 4Uhr passiert und man danach nicht mehr richtig einschlafen kann bis dann um 6:30Uhr das erste Mal mein Wecker klingelt.
Die kleinen Mönche haben vor den älteren Hunden etwas Angst, da die Hunde zum Teil größer und schwerer sind als die kleinen Mönche. Ich habe mir bisher jedoch noch keine Sorgen gemacht und zu mir waren die Hunde (bis auf die kleinen) auch sehr zahm. Der von mir bereits erwähnte Verehrer und der Vater der beiden kleinen Hunde, sind sogar sehr zutraulich und folgen mir wenn ich zum Essen gehe oder zu meinem Zimmer. Der Verehrer folgt mir dabei meistens zum Frühstück und zum Mittagessen, wobei er sich das ein oder andere Mal auch etwas dümmlich anstellt. Neulich war ich fertig mit Essen und wollte zurück zu meinem Zimmer gehen. Dabei gehe ich dann einen schmalen Weg von der Küche hinab, neben dem sich auf der linken Seite ein Graben befindet und auf der rechten Seite eine Wand. Am Ende des Weges gibt es eine kleine Linkskurve, wo man dann den Graben überquert und auf die Straße gelangt, die vom Tor des Klosters bis hoch zum Tempel führt. Ich war gerade dabei die letzte Biegung vom Weg auf die Straße zu machen als der Hund mit hohem Tempo an mir vorbei laufen wollte. Was insofern etwas unglücklich war, da ich gerade eine Linkskurve machen wollte und der Hund gerade aus weiter laufen wollte. Der Zusammenstoß war unvermeidlich und für den Hund schmerzhafter als für mich. 😀
Manchmal gibt es auch kleine Rangeleien zwischen den Hunden, um zu gucken wer denn wirklich der Anführer ist. Manchmal gehe ich nach dem Abendessen noch eine Runde um das Kloster und neulich haben sich die Hunde dann dort eine dieser Rangeleien geliefert. Ich konnte nicht genau einschätzen wie ernst die Lage ist und bin erstmal auf Abstand gegangen. Bei den Nepalis habe ich gesehen, dass sie Steine oder Stöcke benutzt haben, um solche Rangeleien aufzulösen. Also habe ich mir ebenfalls ein paar Steine geschnappt und habe versucht, sie in die Menge zu werfen, um damit den Streit zu beenden. Nachdem die ersten Steine nicht getroffen haben, habe ich mit dem dritten oder vierten dann den Kopf vom Verehrer-Hund getroffen. Es war nur ein kleiner Stein, sodass er keinen Schaden anrichten konnte. Trotzdem hat man ein deutliches “Plock” gehört als der Stein den Kopf des Hundes getroffen hat. Der Hund war gerade dabei zu gewinnen, hat dann aber nach dem Treffer die Rangelei verlassen und ist zu mir gelaufen. Ich hätte zu gerne gewusst, was der Hund in dem Moment gedacht hat, weil eigentlich hätte er sich denken müssen, dass ich der Steinewerfer war. Trotzdem ist er mir dann treu bis zu meinem Zimmer gefolgt. 😀

Eskalation im Klassenzimmer

Ich gebe jetzt ja bereits seit ein paar Wochen Unterricht in der Grundschule in der Nähe vom Kloster. Ich hatte mir irgendwann unter anderem das Ziel gesetzt, die Sicherheit der Schüler in Sachen Satzbau und Grammatik zu verbessern. Die meisten hatten nämlich Probleme damit einen richtigen Satz zu bilden, sodass ich hier erstmal mit dem „Simple Present“ begonnen habe. Diese Zeit haben die Kinder bereits besprochen, sodass das nichts Neues für sie war. Dennoch gab es immer wieder dieselben Fehler. Um das irgendwie abzustellen, habe ich mir immer wieder neue Aufgaben einfallen lassen, die gleichzeitig nicht so langweilig sind, dass die Schüler irgendwann die Motivation verlieren. So dachte ich zumindest. Doch die Realität sah etwas anders aus.
Es war im Unterricht schon immer etwas unruhig, aber neulich hat die Lautstärke und Unkonzentriertheit noch mal ein ganzes Stück zugelegt. Ich habe dann mehrfache Ermahnung ausgesprochen und verdeutlicht, dass die Kinder auch gerne das Klassenzimmer verlassen können wenn sie kein Englisch lernen möchten und dass wenn sie im Klassenzimmer bleiben, dann bitte auch dementsprechend mitarbeiten und ruhig sind. Dieser Hinweis hat nicht viel bewirkt. Auch meine Ermahnung im Unterricht, leise zu sein, wurden zur Kenntnis genommen, haben aber keinen Effekt gehabt. Irgendwann war die nächste Stufe auf meiner Eskalationsskala erreicht, sodass ich mir die zwei Hauptstörenfriede am Ende der Stunde geschnappt habe, um mit ihnen ein kurzes Gespräch zu führen, während ich die anderen rausgeschickt habe. Die beiden waren sichtlich erschrocken und konnten sich nicht vorstellen was sie erwartet. Wahrscheinlich haben sie gedacht, dass sie einen auf die Rübe bekommen, so wie das hier wohl üblich ist. Das habe ich natürlich nicht gemacht, sondern es gab eine deutlichere Ermahnung und unter anderem auch die Drohung, dass ich mit dem Direktor sprechen werde, wenn sich die Situation nicht bessert.
Danach war es dann auch wieder etwas ruhiger, denn auch die anderen Kinder hatten mitbekommen, worum es ging und mit was für Konsequenzen ich gedroht habe. Doch auch diese Maßnahme hat irgendwann ihre Wirkung eingebüßt und die Lautstärke bzw. das Chaos hat noch einmal mehr zugenommen. Wie ich vielleicht schon mal geschildert habe, unterrichte ich immer zwei Schulstunden, mit jeweils einer Pause dazwischen. An dem Tag wo die Situation endgültig eskaliert ist, war in der ersten Stunde alles in Ordnung. Die Kinder waren sogar fleißiger als sonst und unglaublich ruhig. Da habe ich schon geahnt, dass da irgendetwas hinter stecken muss. Und so kam es, dass die Schüler mich gefragt haben, ob sie anstatt fünf Minuten Pause vielleicht zehn Minuten Pause machen könnten. Ich habe dem dann zugestimmt, da ich noch in deren Englischbüchern gucken musste, welche Aufgaben ich mit ihnen in der zweiten Stunde machen kann. Ich hatte kurz zuvor gehört, dass ich mich stärker am Englischbuch orientieren soll, wovon ich jedoch kein Exemplar habe. Also kam mir diese etwas längere Pause ganz recht. Nachdem ich die Pause beendet hatte und ich mit dem Stoff aus dem Buch beginnen wollte, ging dann das Chaos los. Die ersten haben angefangen einen Text aus einem anderen Buch für die darauffolgende Stunde auswendig zu lernen. Dieser war eigentlich als Hausaufgabe gedacht, wurde jedoch jetzt in meiner Stunde gelernt. Wenn alle dabei leise gewesen wären und noch einigermaßen aufgepasst hätten, hätte ich darüber vielleicht hinweg gesehen, aber die meisten haben sich den Text laut vorgesagt. Dazu kam dann noch, dass jeder, der nicht gelernt hat, sich mit den anderen unterhalten hat. Im Prinzip hat dann jeder geredet und mein Versuch einen ordentlichen Unterricht durchzuführen ist gescheitert. Nachdem dann auch noch zwei gleichzeitig auf Toilette wollten und beide ignoriert hatten, dass sie bitte einzeln gehen mögen und es immer noch nicht leiser wurde, habe ich mich auf die Fensterbank gesetzt und nichts mehr gesagt. Ich wollte sehen wie lange die Schüler brauchen, um zu merken was gerade passiert. Als das nicht passiert ist, habe ich meine Sachen gepackt und den Schülern mitgeteilt, dass ich die Stunde abbreche. Zum Glück war an dem Tag auch der Schulleiter da, sodass ich noch hinzugefügt habe, dass ich mit ihm sprechen werde, um zu sehen wie es weitergehen soll.
Ich habe dann den Klassenraum verlassen und bin direkt zum Direktor gegangen. Unser Gespräch hat sich dann so abgespielt, dass die Kinder genau sehen konnten, dass ich meine Drohung ernst meinte und tatsächlich mit ihm spreche. Ich habe dem Direktor geschildert, dass ich nicht genau weiß, ob die Klasse noch mit mir Englisch lernen möchte, worauf hin er dann gesagt hat, dass er mit ihnen sprechen wird. Während er dann zu der Klasse gegangen ist, bin ich ziemlich frustriert in eine andere gegangen. Da mache ich zum Glück keinen Unterricht, sondern meistens spielen wir Spiele wie „Hangman„.
Am nächsten Tag war dann übrigens wieder normaler Unterricht möglich und seitdem sind die Schüler auch einigermaßen diszipliniert. Schon bald sind Winterferien und danach habe ich dann noch zwei Wochen Unterricht in der Schule bevor ich das Kloster verlassen.

Ein erneuter Besuch in Kathmandu – Teil 2

Bereits im Vorfeld hatte ich einmal im Internet geguckt, wie die Preise für ein Hotelzimmer in Thamel sind. Die Preise waren für nepalesische Verhältnisse natürlich recht hoch, im Vergleich zu Übernachtungsmöglichkeiten in anderen Touristengebieten dagegen aber recht günstig. Meine einzige Bedingung war auch nur, dass es eine warme Dusche gibt. Mehr wollte ich gar nicht. 😉
Und so sind wir dann im „Deutsch House“ fündig geworden. Da haben wir pro Person 450 Rupie gezahlt, was umgerechnet etwas mehr als 3 € sind. Dafür gab es dann aber auch keine Mahlzeiten. Um diese zu bekommen, hätten wir zu einem Restaurant gehen müssen, dass irgendwo anders war, aber gleichzeitig dem gleichen Typen gehört wie das Hotel. Auf die Nachfrage wie es zu der Namensgebung gekommen ist, konnte man uns irgendwie keine richtige Antwort geben 😉
Nach diesem ersten Ankommen, haben wir uns dann daran gemacht, die nähere Umgebung zu erkunden. Meiner Meinung nach lag das Hotel recht zentral. Allerdings fällt es mir schwer, mich in dieser Stadt zu orientieren. Selbst in dem Viertel hätte ich mich wahrscheinlich ein paar Mal verlaufen. Ganz in der Nähe von unserem Hotel gab es die „Pumpernickel Bakery“. Wenn ihr jemals in Thamel sein solltet und die Wochen zuvor nur Reis, Gemüse und Roti bekommen habt, solltet ihr diese Bäckerei auf jeden Fall besuchen. Es gibt dort zwar kein Pumpernickel, dafür aber leckere Brötchen, Croissants und Kuchen. Dementsprechend war ich auch mehrmals dort und habe mir ein paar Sachen mit zum Kloster genommen. 😉
Unmittelbar gegenüber beginnt die einzige Fußgängerzone Kathmandus. Dabei handelt es sich um eine kleine Gasse, die sich zwischen ein paar Häusern und Restaurants schlängelt. Alles sieht sehr schick und edel aus. Am einen Ende gab es ein Restaurant, das „New Orleans“. Nachdem wir festgestellt hatten, dass dieses Restaurant direkt neben unserem Hotel ist, haben wir dort zu Abend gegessen. 🙂
Ebenfalls relativ nah war ein Supermarkt, der seinen Namen endlich mal verdient. Auf zwei Etagen hat der Laden ein riesiges Produktangebot, was man hier bei mir am Kloster oder selbst in Pharping nicht findet. Zumindest nicht in dem Umfang alles am selben Ort. Und das war sogar das erste Geschäft, in dem ich war, in dem es so etwas wie eine computerunterstützte Kasse gab. Und wie gesagt, hier gab es alles: Getränke (alkoholisch und nicht-alkoholisch), Süßigkeiten, Lebensmittel, Hygieneartikel, Schreibwaren, Haushaltsgegenstände (Töpfe, Schüsseln,…) und vieles vieles mehr. Wenn der Weg nicht so weit wäre, würde ich da immer einkaufen auch wenn der Preis etwas teurer als in Pharping ist. Ich hab mir jedoch nur ein paar Kleinigkeiten geholt. Unter anderem eine Dose nepalesisches Bier, das sehr lecker war. 😉
In ganz Thamel gibt es super viele Buchläden. Das ist mir ein wenig zum Verhängnis geworden, denn hier sind die Bücher sehr günstig. Auch wenn die Bücher alle nicht sortiert sind, findet man schnell interessante Exemplare, wo man bei den Preisen eigentlich nicht lange überlegt ob man das Buch mitnehmen sollte. So kam es, dass ich mir insgesamt acht Bücher gekauft habe, für die ich umgerechnet 30€ bezahlt habe. In Deutschland hätte ich dafür vermutlich mindestens das dreifache bezahlt. Im Nachhinein ist mir dann der Gedanke gekommen, dass ich hätte ausrechnen sollen, wie teuer es wird, mit Übergepäck zurückzureisen. Das werde ich nämlich mit Sicherheit haben. Vielleicht war es also gar keine so gute Idee, sich diese Schnäppchen zu besorgen. 😉
Es gibt noch einen weiteren Nachteil: Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher gewesen, ob das alles legale Drucke waren oder man die Bücher einfach nachgedruckt hat. Den Gedanken hatte ich unter anderem, als mir ein Buch aufgefallen ist, bei dem es einen Schreibfehler im Titel gab. 😀
In Thamel gibt es neben diesen vielen Buchläden auch jede Menge andere Läden mit Souvenirs. Da habe ich dieses Mal noch nicht zugeschlagen. Denn ich werde wohl noch mal nach Kathmandu fahren und dann diesen weiteren Besuch dazu nutzen, Souvenirs einzukaufen.
Meine Begleiterin hat das dieses Mal schon getan, da sie nicht genau wusste, ob sie noch mal nach Kathmandu reist. Während sie dann in dem einen oder anderen Laden um den Preis gefeilscht hat, habe ich mich draußen aufgehalten und habe mir da einfach die vorbeilaufenden Leute angeguckt. Dabei habe ich zum Beispiel ein kleines Verkehrschaos beobachtet. In Thamel sind die Gassen sehr eng und aus einer noch viel engeren Gasse wollte ein kleiner Pickup-Truck fahren. Der konnte jedoch nicht auf die Straße, weil die voll war. Ein anderes Auto wollte in die kleine Gasse, konnte da aber wegen dem Truck nicht rein. Dieses Auto hat dann jedoch die Weiterfahrt für die entgegenkommenden Fahrzeuge verhindert. Alle Motorradfahrer wollten sich da irgendwie an diesem Schlamassel vorbeiquetschen und haben es damit noch verschlimmert. Und dazu gab es dann auch noch Rikscha-Fahrer, Fußgänger und ein Mann mit einem Handkarren. Für mich als Außenstehender war es sehr lustig zu beobachten wie sich dieses Chaos entwickelt und wie mindestens sechs Personen versucht haben, das Chaos aufzulösen. Nach einigem Hin und Her ging es dann auch irgendwann tatsächlich weiter 😉
Auf Grund der engen Gassen, wurde ich sogar zweimal von Autos angefahren. Beide Male hat mich der Rückspiegel am Arm gestreift. Allerdings ohne mir weh zu tun, da die Autos nur sehr langsam fahren können.
Beim Warten ist mir noch etwas anderes aufgefallen: In Thamel scheint es Drogen im Überfluss zu geben. Kaum steht man länger als 5 Minuten auf einem Fleck, kommt schon jemand und will einem Drogen verkaufen. Ich habe diese Angebote stets mit einem freundlichen Lächeln abgelehnt. Am lustigsten waren hierbei die Rikscha-Fahrer, die einen erst gefragt haben ob man mitfahren möchte und wenn sie dann ganz nah bei einem waren, kam noch die Frage “Smoke?” hinterher geschoben. 😀
Am Samstag haben wir unser Frühstück in der „Pumpernickel Bakery“ eingenommen. Ich hatte ein amerikanisches Frühstück zu dem es neben Bacon auch kleine Würstchen gab. Das war das erste Mal seit dem Aufenthalt in der Gastfamilie, dass ich Fleisch gegessen habe.
Ein besonderes Highlight dieses Aufenthaltes in Kathmandu war die warme Dusche im Hotel. Im Zimmer hat die warme Dusche nicht funktioniert, aber dafür gab es ein Gemeinschaftsbad. Es war herrlich endlich mal wieder warmes Wasser zum Waschen nutzen zu können ;). Ich hätte da viele Stunden stehen können wenn ich die Zeit gehabt hätte. Die Konstruktion dieses Bads war allerdings etwas abenteuerlich: Auf dem Flur stand eine Gasflasche, von der ein Schlauch zu einer Therme im Badezimmer führt. Man musste dann einen Hebel im Badezimmer umlegen, damit das Wasser in die Therme fließt. Genau in dem Moment sprang diese dann auch an und hat das Wasser erhitzt. Die Temperatur ließ sich dann mit einem Regler verändern. Bei meinem Versuch die Temperatur einzustellen gab es dann erst eine kleine Stichflamme 😀
Anschließend haben wir uns Patan angesehen, welches das älteste Viertel in Kathmandu ist. Dieses Viertel wurde zum Weltkulturerbe ernannt und hat ein paar echt schöne und ruhige Ecken. Was hier vor allem auffällt ist die Kunstfertigkeit an den alten Häusern. Für diese Kunstfertigkeit im Umgang mit Holz ist das Viertel auch unter anderem berühmt. Anders als in Thamel, wo man größtenteils nur Touristen begegnet, trifft man hier auch auf Einheimische, die ganz normal einkaufen gehen oder in einer Werkstatt ihrer Arbeit nachgehen.
Am Ende unseres Kathmandu-Ausfluges haben wir uns wieder zum Busbahnhof begeben, um dann den Rückweg anzutreten. Dieses Mal haben wir ohne Probleme einen Sitzplatz bekommen, da der Busbahnhof die Abfahrtsstelle des Busses war. Allerdings hatte man dort sehr sehr wenig Platz für die Beine 😉
Und so wie Homer am Ende der von mir erwähnten Simpsons-Folge den Müll eines vor ihm fahrenden Müllwagen abbekommt, habe ich bei der Rückfahrt das ein oder andere Mal Staub abbekommen, da das Fenster in der Reihe vor mir sich nicht richtig schließen ließ. 😀

Wie gesagt, in zwei Wochen werde ich wohl nochmal nach Kathmandu aufbrechen und am Ende meines Aufenthaltes in Nepal werde ich nochmal ein oder zwei Tage zusammen mit der Organisation in Kathmandu sein. Genug Zeit, um weitere Eindrücke dieser Stadt zu sammeln 😉