Archiv des Autors: Daniel Müller

Ein erneuter Besuch in Kathmandu – Teil 1

Viele von euch kennen wahrscheinlich die Simpsons-Folge, in der die Simpsons nach New York fahren. Homer ist davon gar nicht begeistert, weil er dort bereits einmal war und sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Der Rest der Simpsons-Familie kann es dagegen gar nicht abwarten, nach New York aufzubrechen.
Etwa so wie Homer ging es auch mir vor meinem erneuten Besuch in Kathmandu. Die allerersten Tage in Kathmandu hatten ein etwas geteiltes Bild hinterlassen. Dieses Mal sollte es aber nicht zu einer Gastfamilie gehen, sondern in ein Hotel in Thamel. Das ist die Touristen-Ecke von Kathmandu. Dort bin ich vorher ein paar Mal durchgelaufen oder mit dem Taxi durchgefahren. Und jetzt war der Plan, dort ein bisschen mehr Zeit zu verbringen und einfach mal Tourist sein. 🙂
Begleitet wurde ich bei dieser Reise von einer anderen deutschen Freiwilligen, die in der Nähe meines Klosters auf einer Farm arbeitet. Zu zweit haben wir uns dann Freitags auf den Weg gemacht, da man hier ja nur Samstags Wochenende hat.
Alleine schon die Hinfahrt nach Kathmandu war ein Abenteuer, denn wir sind mit einem Bus gefahren. Die Busse fahren nicht weit entfernt von meinem Kloster ab. Dort ist hier die Hauptstraße, die in die eine Richtung nach Pharping führt und in die andere Richtung nach Kathmandu. Auf der einen Seite befindet sich ein kleiner Platz, an dem alle Leute stehen, die auf den Bus warten, denn auf der anderen Straßenseite befindet sich so gut wie kein Seitenstreifen und damit auch kein Platz, um sich hinzustellen.
Uns wurde gesagt, dass die Busse in nicht allzu großen Abständen den ganzen Tag fahren würden. Und so war es dann auch. Während wir neben der Bushaltestelle auf einer Plattform eines nicht fertig gestellten Gebäudes saßen und gewartet haben, kamen innerhalb kurzer Zeit mehrere Busse vorbei. Der erste Bus war so proppevoll, dass wir es erst gar nicht versucht haben, dort einzusteigen. Allerdings hatte der seine Gesamtkapazität noch nicht erreicht, denn hier in Nepal ist es nicht unüblich, dass man sich auch schon mal auf das Dach des Busses setzt wenn im Innenraum kein Platz mehr ist. 😉
Auf dem Dach mitfahren wollten wir dann jedoch nicht und mit unseren Taschen wäre es etwas schwierig gewesen, noch in den Bus zu kommen. Der zweite Bus war dafür nicht so voll. Allerdings hätten wir dem Busfahrer ein Zeichen geben müssen, damit er anhält und uns mitnimmt. Was wir in dem Moment gemerkt haben, als der Bus ohne zu bremsen an uns vorbeigefahren ist. Daraus haben wir gelernt, sodass der dritte Bus dann auch tatsächlich angehalten hat. In diesem war dann auch Platz genug für uns 😉
Im Innern des Busses gab es links vom Mittelgang Sitzbänke für zwei Personen und rechts davon Sitzbänke die etwas größer waren, sodass mit ein wenig Quetschen auch drei Personen Platz nehmen können. Auf so einer 3er-Sitzbank habe ich dann noch ein Plätzchen neben zwei nepalesischen Schülerinnen gefunden, die dann nach ein paar Haltestellen bereits ausgestiegen sind. Das hat mir dann einen Fensterplatz verschafft, sodass ich während der Fahrt ein bisschen die Aussicht ins Tal genießen konnte.
Natürlich blieben die freien Plätze neben mir nicht lange unbesetzt, sodass wir unmittelbar danach erneut zu dritt waren. Da ich am Fenster saß, fiel mir auch die Aufgabe zu dem Wunsch meiner unmittelbaren Sitznachbarin nachzukommen, das Fenster zu schließen. Das war etwas schwieriger und hat mich für den Rest der Fahrt regelmäßig beschäftigt, da der Haken, der das Schiebefenster zuhalten soll, sich immer wieder durch das Ruckeln des Busses gelöst hat und das Fenster bei jedem Schlagloch erneut ein wenig aufgegangen ist. Irgendwann habe ich meine Armposition ein wenig verändert, sodass ich meinen Finger einfach die ganze Zeit so gehalten habe, dass das Fenster nicht aufgehen konnte.
Nach einer gewissen Weile habe ich dann gemerkt, wie der Kopf meiner Sitznachbarin immer mal wieder auf meiner Schulter zum liegen gekommen ist. Anscheinend habe ich meinen Job als Fensterschließer so gut gemacht, dass es der Frau gemütlich genug war, um ein kleines Nickerchen zu machen. 😀
Sobald man in Kathmandu rein kommt, merkt man, dass man wieder in einer größeren Stadt ist. Neben den üblichen kleinen Geschäften, konnte man auch immer mal wieder ein paar größere Geschäfte sehen. Dabei sogar einige, die man sich hier gar nicht so richtig vorstellen kann. Es gab beispielsweise ein Haus, in dem man Sanitäranlagen und Küchen kaufen konnte. Das Haus hat von außen einen sehr westlichen Eindruck gemacht, sodass es nicht weiter auffallen würde, wenn man es in irgendeiner Stadt in Deutschland sehen würde. Auch die ausgestellten Küchen oder Badezimmer könnte man sich gut in jedem westlichen Haus vorstellen. Ein kleines Stück Heimat hatte dieses Haus dann sogar für mich parat, denn an der Fassade war deutlich zu lesen, dass es dort auch Küchen von „Häcker“ zu kaufen gibt.
Bei der Ankunft in Kathmandu stellte sich dann nur noch die Frage an welcher Haltestelle wir aussteigen mussten. Neben dem Busfahrer gab es noch zwei Begleitpersonen, die zu dem Bus gehörten. Der eine von denen hat regelmäßig etwas gesagt, wo meine Vermutung, dass es die Namen der Haltestellen sind. Allerdings hatte ich vorher gehört, dass der Bus nicht direkt bei Thamel hält, sondern man von der Station wo man aussteigt etwa 15 bis 20 Minuten zu Fuß gehen muss.
Nach dem ich dann nachgefragt hatte, wo wir denn aussteigen müssten, hatten uns ein paar Männer versucht zu erklären wie wir am besten an unser Ziel kommen. Davon habe ich jedoch leider nicht allzu viel verstanden, da es im Innenraum des Busses sehr laut war. Wir sind dann einfach an der zentralen Busstation ausgestiegen, da meine Begleiterin die Gegend wieder erkannt hat. Sie war vorher schon mal an dieser Station und hatte dementsprechend eine gewisse Vorstellung wie man von da aus, dann zu unserem Ziel kommt.
Wir haben uns dann durch die Menschenmassen bewegt und jedes Mal wenn wir an einer uns unbekannten Kreuzung ankamen, haben wir nachgefragt wie es weiter geht. Sodass wir dann irgendwann endlich am Ziel waren und in dem Viertel „Thamel“ angekommen sind. Dort mussten wir dann nur noch ein Hotel finden, dass uns für die darauffolgende Nacht aufnehmen konnte. 😉

Fortsetzung folgt…

Über den Wolken

Wie man sich vielleicht vorstellen kann, wimmelt es in Nepal nur so von Bergen. Das was man bei uns in Norddeutschland als Berg oder Gebirge kennzeichnet, wird hier wahrscheinlich nicht mal Hügel genannt. Denn egal wo man hinguckt, gibt es Berge, die ihren Namen auch tatsächlich verdienen. Wenn ich dann mal irgendwann alle Fotos hochgeladen habe, wird das vielleicht auch deutlicher. 😉
Ganz im Norden Nepals an der Grenze zu Tibet befinden sich mit dem Himalaja-Gebirge gleichzeitig auch die höchsten Berge der Welt. Wenn es dann weiter in Richtung Süden geht, werden die Berge zwar kleiner, bleiben aber für jemanden, der bisher eigentlich nur das Wiehengebirge, den Teutoburger Wald und vielleicht noch das Eggegebirge kennt, sehr beeindruckend. Ganz im Süden Nepals werden die Berge immer weniger und machen dagegen eher einem dschungelartigen Gebiet Platz. So wurde mir zumindest berichtet. Dort gibt es dann zum Beispiel auch Elefanten und Tiger. Wobei mir gesagt wurde, dass es hier in meiner Gegend auch Tiger gibt. Allerdings habe ich noch keinen gesehen. 😉
Das Kloster selbst befindet sich auf einem Hügel, der bis vor ca. zehn Jahren noch mit dichtem Wald besetzt war. Dann hat man angefangen das Kloster zu bauen und hat den Wald dementsprechend abgeholzt. Aus meinem Fenster blicke ich in ein Tal voller Reisfelder. Dieses Tal ist eigentlich ringsum von Bergen eingeschlossen. Einer davon beginnt quasi direkt vor der Haustür des Klosters. Dieser Berg trägt den Namen „Hattiban“, was übersetzt soviel wie „Elefant“ bedeutet. Der Name kommt daher, dass der Berg so aussieht wie ein Elefantenkopf. Mit etwas Fantasie sieht man den Rüssel und die Ohren 🙂
Als ich hier angekommen bin, wurde mir gesagt, dass es auf dem Gipfel dieses Berges ein Restaurant und Hotel gibt, von dem man eine gute Aussicht auf Kathmandu und das Himalaja-Gebirge hat. Also hatte ich mir von Anfang an vorgenommen, da einmal hinauf zu wandern, um mir das mit eigenen Augen anzusehen. Schon wenige Tage nach meiner Ankunft habe ich den ersten Versuch gestartet, habe ihn aber schon nach kurzer Zeit abgebrochen, da mir die Puste gefehlt hat. 😀
Jetzt vor ein paar Tagen habe ich dann einen neuen Versuch gestartet. Beim Aufstieg habe ich eine Straße genutzt, die mit vielen Serpentinen nach oben führt. Diese Straße ist eher ein staubiger Weg, der gerade breit genug ist, um einem Auto Platz zu bieten. Ich bin direkt morgens nach dem Frühstück los und habe mir Zeit gelassen und immer mal wieder kleine Pausen eingelegt, um ein paar Fotos zu machen. Irgendwann kam ich dann bei dem besagten Hotel an, das von außen einen hübschen Eindruck gemacht hat. Es gab jetzt nur ein Problem: Neben dem Eingang hing ein Schild, das darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Anlage nur für Personen zugänglich ist, die eine Reservierung im Hotel oder dem Restaurant haben. Bei meinem ersten Versuch hatte ich das Schild schon am Fuße des Berges gesehen. An diesem Tag war mir das jedoch unten nicht aufgefallen. War natürlich etwas ärgerlich, den ganzen Weg hochzugehen und dann im Prinzip vor verschlossenen Türen zu stehen. Wobei die Tür eigentlich nicht verschlossen war. Es gab ein kleines Tor, durch das man auf die Anlage gelangt ist. Ein Weg hat von diesem Tor zu einem Haupthaus geführt. Neben diesem Haupthaus gab es weitere kleinere Häuser, die mit Buchstaben versehen waren – wahrscheinlich die einzelnen Wohnhäuser des Hotels.
Ich habe meinen Rucksack erstmal auf einer Bank am Parkplatz abgestellt und bin mal ein bis zwei Schritte auf diesen Weg gegangen, um die Lage auszukundschaften. Direkt neben dem Tor gab es ein kleines Wachhäuschen, das in dem Moment aber nicht besetzt war. Im Hintergrund waren ein paar Männer beschäftigt, einen LKW auszuladen. Ich habe mich dann auf die Bank zu meinen Sachen gesetzt, etwas getrunken, während ein paar Angestellte auf das Gelände des Hotels gegangen sind. Nachdem ich den Dritten dann freundlich gegrüßt habe, habe ich mir gedacht, dass Dreistigkeit in diesem Fall siegen wird, habe mir meine Sachen geschnappt und bin selbstbewusst auf das Gelände gegangen, um mir meine wohlverdiente Aussicht abzuholen. 😉
Auf dem Gelände bin ich den Angestellten so gut es ging aus dem Weg gegangen und habe mich zum Rand des Geländes begeben. Dort konnte ich dann vor lauter Wolken und/oder Smog über Kathmandu jedoch nicht wirklich etwas sehen. Im Hintergrund konnte man ein paar Gipfel des Himalaja-Gebirges sehen, allerdings auch nur diesig. Also habe ich etwas enttäuscht das Gelände verlassen, ohne von irgendwem angesprochen worden zu sein.
Das Hotel lag jedoch nicht auf dem eigentlichen Gipfel des Berges, sondern auf einer Art Plateau. Da mein Ehrgeiz geweckt war und ich mir gedacht habe, dass es blöd klingt wenn ich sage, dass ich zwar den Berg hoch bin, aber an diesem Plateau wieder kehrt gemacht habe, wollte ich dann unbedingt zum tatsächlichen Gipfel weiter. Der weitere Anstieg war dann natürlich nicht weniger anstrengend, da es vor allem keinen richtigen Weg mehr gab. Nur eine Art Trampelpfad, dem ich gefolgt bin. Während des Aufstiegs hat man immer mal wieder Leute gesehen, die Vorbereitungen für ein Picknick treffen. Meine Tour war an einem Samstag, der für Nepalesen das einzige Wochenende ist. Die meisten Familien verbringen diesen Tag gemeinsam in der Natur und veranstalten ein Picknick.
Irgendwann habe ich an einer guten Stelle eine Pause eingelegt, um etwas zu trinken und einen Apfel zu essen. Da wurde ich dann von drei anderen Wanderern überholt. Die zwei Frauen und der Mann waren recht flott unterwegs. Nach ein paar Minuten bin ich ihnen zum Gipfel gefolgt, konnte sie dann aber nicht mehr sehen, da sie bereits hinter einer Kuppe verschwunden waren. Erst am Gipfel habe ich sie wieder getroffen. Im Gespräch mit ihnen hat sich dann herausgestellt, dass sie aus Nepal sind und dass die zwei Frauen aus einem Dorf in der Nähe des Mount Everests kommen. Das hat dann auch den rasanten Aufstieg erklärt. Der Mann hat mir dann noch gesagt, dass eine der Frauen den 100km Trailrun in Hong Kong gewonnen hat. Für die drei war der Aufstieg also eher so etwas wie eine lockere Trainingseinheit, wohingegen ich mich recht abmühen musste. Den Abstieg haben die drei dann joggend begonnen 😀
Ich habe vorher noch die Aussicht genossen und bin dann langsam wieder runter und zurück zum Kloster. Andere Wanderer hatten mir gesagt, dass der Berg über 2000m (zum Vergleich: Wiehengebirge 320m, Teutoburger Wald 446m, Eggegebirge 464m) hoch ist, womit ich dann den ersten Zweitausender meines Lebens bezwungen hätte. Das Kloster dürfte etwa 500m darunter liegen.
War auf jeden Fall eine gute Trainingseinheit für meine geplante Trekking-Tour am Ende meines Aufenthaltes hier in Nepal. Ende Februar werde ich für ca. zwei Wochen nach Pokhara reisen, um dort die Annapurna-Basecamp-Tour zu machen. Ich weiß nicht genau wie hoch es da hinaus geht, aber ich denke, dass es irgendwo zwischen 2000 und 3000m sein wird. 🙂

Bleiben oder nicht bleiben

Wie ich bereits angedeutet hatte, habe ich mittlerweile auch Unterricht im Kloster gegeben. Allerdings hat das Ganze etwas länger gedauert, bis es dazu überhaupt kam. Zwischendurch war auch nicht klar, ob ich hier überhaupt Unterricht machen kann, wodurch sich dann ebenfalls die Frage gestellt hat ob ich im Kloster bleibe oder in ein anderes wechsle. Aber alles nacheinander 😉
Im Vorfeld der Reise habe ich von der Organisation eine Übersicht bekommen wie die ersten Tage ablaufen. Unter anderem wurde gesagt, dass ich die ersten zwei bis drei Tage Sprachunterricht und Kulturprogramm habe. Ab spätestens dem vierten Tag sollte es dann zum eigentlichen Einsatzort gehen, um dort dann am darauffolgenden Tag mit dem Unterricht zu beginnen.
Der Anfang dieses Plans wurde sehr gut eingehalten. Ich war zwei Tage in Kathmandu und hatte Sprachunterricht und konnte mir einige wichtige Plätze in Kathmandu angucken. Auch wenn es am zweiten Tag einen außerplanmäßigen Stopp gab, da eine andere Freiwillige ihr Visum verlängern musste. Dadurch hatten wir an dem Tag nur Zeit für eine Sehenswürdigkeit.
Als es dann zum Kloster ging, hat sich herausgestellt, dass in der ersten Woche kein Unterricht stattfinden wird, da alle Mönche mit Prüfungen beschäftigt sind. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, mich zuerst mal ohne großen Stress zurecht zu finden. In der zweiten Woche gab es dann immer noch keinen Unterricht, da es ein großes Fest in Kathmandu gab. Dieses ging über mehrere Tage und jeden Morgen sind viele Mönche mit dem Bus dorthin gefahren und abends wieder zurückgekehrt. Also hieß es weiter warten. Dann in der dritten Woche meines Aufenthaltes hier im Kloster ging es dann in Sachen Unterricht voran. Auch wenn es eigentlich in der Woche keinen Unterricht gab, wurde extra für mich eine Klasse eingerichtet, in der ich unterrichten konnte. Ich weiß nicht genau wie bestimmt wurde wer da rein gehen sollte oder ob die Mönche sich das freiwillig aussuchen durften. Jedenfalls hatte ich da ca. zehn Mönche sitzen, bei denen ich unterrichten konnte. Auch hier hieß es am Anfang erstmal herauszufinden, welchen Stand die Mönche haben und wo ich anfangen muss mit dem Unterricht. Da hat sich die Situation schwieriger dargestellt als in der Schule. Während in der Schule alle etwa auf dem gleichen Level sind, waren die Mönche in meiner Klasse auf ganz unterschiedlichen Niveaus was ihre englischen Sprachkenntnisse betrifft. Es gab zum einen sehr junge Mönche, die vielleicht 6 oder 7 Jahre alt waren und wo ich am Anfang nicht mal wusste, ob die überhaupt schon lesen können. Dagegen gab es dann andere Mönche, die bereits 16 oder 17 Jahre alt waren und schon sehr gut Englisch sprechen konnten. Um sinnvollen Unterricht machen zu können, hätte ich die Mönche eigentlich in mindestens zwei Gruppen einteilen müssen. Da das aber nicht ging, habe ich irgendwie versucht, den kleinen und großen jeweils separate Aufgaben zu geben. Das war jedoch nur mittelmäßig erfolgreich. 🙁
Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass ein Großteil der Mönche am darauffolgenden Wochenende nach Indien aufbricht, um dort für mindestens einige Wochen zu sein. Also war mein Plan, diese erste Woche Unterricht halbwegs sinnvoll zu verwenden und danach zu schauen wie genau sich meine Klasse zusammensetzt. Für den Fall, dass ich da wieder so unterschiedliche Level antreffe, hatte ich mir vorgenommen, dann tatsächlich mehrere Gruppen zu bilden, die ich dann separat unterrichten kann.
Es gab jedoch noch ein Problem: Es war nicht klar wie viele Mönche im Kloster zurückbleiben. Ich habe verschiedene Mönche dazu gefragt und auch ob in der Zeit überhaupt Unterricht stattfindet. Darauf habe ich dann verschiedene Antworten bekommen. Manche haben mir gesagt, dass ca. 15-20 Mönche hier bleiben und es Unterricht geben wird, andere haben gesagt, dass niemand hier bleibt. Bis zum Tag vor der Abfahrt war das unklar, sodass ich mir ein wenig Sorgen gemacht habe. Denn wären tatsächlich alle gefahren, hätte ich mich ebenfalls darum kümmern müssen, dass ich in ein anderes Kloster oder einen anderen Ort kann. Auch wenn nicht alle fahren würden, es aber keine Möglichkeit gibt, zu unterrichten, hätte ich mir überlegt ob es nicht sinnvoll wäre, wo anders hinzugehen, da es ja mein ursprünglicher Plan war, hier zu sein, um zu unterrichten. 😉
Am Abend vor der Abfahrt wurde mir dann versichert, dass die kleinen Mönche, der Koch und ein paar ältere Mönche hier bleiben. Das hat mich schon mal beruhigt, da ich dann ebenfalls bleiben konnte. Auch wenn hier nicht alles perfekt ist, habe ich mich an die Situation gewöhnt und fühle mich ganz wohl hier. Und es war mir lieber hier zu bleiben, als mich an eine vollkommen neue Umgebung gewöhnen zu müssen, wo man erstmal schauen muss, wo man z. B. sauberes Trinkwasser herbekommt. Es wird hier jetzt in der Zeit, wo nur die Kleinen hier sind keinen offiziellen Unterricht geben, aber ich bin jeden Tag von zehn bis zwölf Uhr in der Bibliothek, sodass die Kleinen kommen können, um zu spielen oder zu lesen. Da das für die Kleinen freiwillig ist, sind natürlich nicht alle dann da, aber wenigstens kommen ein paar trotzdem. Ich versuche dann so gut es geht, mich mit denen zu unterhalten und ein paar Vokabelspiele zu machen. Dazu gibt es in der Bibliothek ein paar ganz gute Sachen. Zum Beispiel gibt es einige Pakete sogenannter “Flashcards”. Das sind Karten, auf denen Begriffe stehen, wozu es dann ein Bild gibt. Es gibt auch ein Bingo-Spiel mit einfachen englischen Begriffen. Meistens wollen die Kinder aber einfach in den Büchern blättern, wobei ich sie dann manchmal bitte vorzulesen und mir zu sagen wenn sie ein Wort nicht kennen.
Wahrscheinlich bricht bei den Lesern mit erziehungswissenschaftlichem Hintergrund bereits der kalte Schweiß aus wenn sie hören wie ich das hier gestalte. Aber momentan lässt sich hier nicht viel mehr veranstalten. Dafür habe ich meines Erachtens nach einige pädagogisch wertvolle Unterrichtsinhalte für die Schüler in der Schule entwickelt, mit denen man wahrscheinlich in Deutschland keine goldene Ananas gewinnen kann, die den Kindern aber hier Spaß machen und wo ich mir einbilde, dass sie dabei auch was lernen. Aber dazu an anderer Stelle noch mal etwas mehr. 😀
In einigen Tagen kommen die ersten Mönche aus Indien zurück. Angeblich soll es dann auch wieder regulären Unterricht geben und angeblich soll ich dann auch hier nicht nur Englisch unterrichten, sondern auch Mathe und so etwas wie Gesundheitswissenschaften. Aber warten wir mal ab was aus dieser Ankündigung wird. 😉

Bergfest

Ich musste gerade lachen, als ich mir den Titel für diesen Beitrag überlegt habe. „Bergfest“ passt hier natürlich super gut zu Nepal und der Landschaft. 😀
Mittlerweile ist die Hälfte meiner Zeit hier in Nepal um und in sechs Wochen geht es zurück nach Deutschland. Das heißt ich bleibe hier noch ca. vier Wochen im Kloster und gehe dann die letzten zwei Wochen nach Pokhara, um noch ein wenig Erlebnis- und Touri-Urlaub zu machen. Darauf freue ich mich auch schon ziemlich, da ich schon viele gute Dinge über die Trekking-Tour und den Ort selbst gehört habe. 😉
Auch wenn es an manchen Tagen etwas anstrengend ist, zu unterrichten, macht es mir viel Spaß hier zu sein. Und ich bin froh darüber, dass ich nicht nur hier im Kloster aktiv sein kann, sondern auch in der kleinen Schule hier im Dorf. Dadurch habe ich nämlich nicht nur Kontakt zu den Mönchen, sondern auch zu den Kindern und Erwachsenen hier in der Gegend. Viele kennen mich mittlerweile und wissen was ich mache und wo ich wohne. Dementsprechend werde ich auch häufig gegrüßt, vor allem natürlich von den Kindern. Es ist lustig wenn man irgendwo langgeht und aus dem Garten eines Hauses dann eine Kinderstimme ruft “Hello Daniel Müller”. So macht es dann auch Spaß, sich hier aufzuhalten, weil man das Gefühl hat, willkommen zu sein und vielleicht auch irgendwo schon ein wenig dazuzugehören. 🙂
Es ist auch erstaunlich wie schnell man sich an vieles gewöhnt. Während es zum Beispiel am Anfang meiner Zeit hier schwierig war, über die unebenen Wege zu gehen, komme ich mittlerweile ganz gut damit zurecht. Ich muss nicht mehr ständig auf den Boden gucken, um aufzupassen, dass ich nicht stolpere. Vielleicht sind aber auch einfach nur die Bänder in meinen Fußgelenken so ausgeleiert, dass es ihnen egal ist wohin sie treten. 😀
Am Anfang waren natürlich auch die hygienischen Verhältnisse gewöhnungsbedürftig, sodass es schwer vorstellbar war, dass es hier so lange aushalte. Mittlerweile habe ich mich aber auch damit arrangiert. Natürlich gibt es immer noch Momente wo ich mich über bestimmte Dinge wundere, aber die meiste Zeit nehme ich das einfach so hin. Und bisher bin ich hier im Kloster weder vom Essen noch von dem Wasser krank geworden, sodass ich mich darüber eigentlich nicht beschweren kann. 🙂
Ich erschrecke mich auch nicht mehr jedes Mal wenn mich ein Auto anhupt. Im Gegenteil: Ich bleibe mittlerweile genauso gelassen wie die Nepalesen und mache Platz so wie es die Situation gerade zulässt. Und wenn das heißt, dass es etwas länger dauert, weil ich nicht unmittelbar zur Seite springe, dann ist das eben so. 😉
Es ist hier auf jeden Fall sehr abenteuerlich und man erlebt immer wieder spannende Dinge. Ich bin gespannt was die nächsten sechs Wochen noch für mich bereithalten und werde davon natürlich auch weiterhin (so gut es geht) berichten.

Sir

Hier hat sich mittlerweile etabliert, dass mich alle “Sir” nennen. Ich vermute mal, dass es nicht an meinem sonst sehr ritterlichen Verhalten liegt, sondern, weil es sich die meisten wahrscheinlich einfacher merken können als „Daniel“ ;). Mir selbst fällt es auch sehr schwer, die Namen der Personen hier im Kloster und der Schule zu merken, da sie sehr fremd sind und man einfach so viele Leute kennenlernt.
Ich höre dementsprechend dann so was wie „Good morning, sir“, „How are you, sir?“, „Where are you going, sir?”“ usw. Wann immer ich „sir“ höre, fühle ich mich angesprochen und drehe mich um. 😀
In der Schule ist das etwas anders. Da haben sich manche Schüler meinen Namen gemerkt. Sogar meinen Nachnamen. Dafür werde ich da zum Teil mit einem Handkuss begrüßt. Nicht so wie man ihn aus romantischen Filmen kennt, wo der Handrücken nach oben gedreht wird und der Mann dann mit einem leichten Knicks einen Kuss auf den Handrücken haucht. Hier ist das dann so, dass ich zuerst die Hand von einem Kind schüttel und die Hand dann einen Kuss bekommt ohne den Handrücken nach oben zu drehen. Das ist auf jeden Fall sehr merkwürdig und ich weiß nicht so recht wie man dann auf so was reagiert. Ich sage dann immer artig „Danke“ und „Guten Tag“ (auf Englisch natürlich).
Dieser Handkuss ist vermutlich so was wie eine Ehrerbietung. Hier in Nepal gibt es noch ein Kastensystem. Und in diesem System, stehen die Lehrer sehr weit oben. Ich glaube sogar in der höchsten Kaste. Auch wenn das Kastensystem im Kloster nicht gilt, wird den älteren Mönchen und den Lehrern ebenfalls ein besonderer Respekt gezollt. Es gibt beispielsweise einen eigenen Tisch für die Lehrer und anderen Angestellten des Klosters, die dort dann getrennt von den jüngeren Mönchen essen. Viele ältere Mönche lassen sich das Essen auch von den kleinen Mönchen auf’s Zimmer bringen. Soweit ist es bei mir allerdings noch nicht und wird es auch nicht kommen. Ich werde weiterhin artig und selbstständig zum Essen gehen, wenn ich das Läuten dafür höre. 😉
Nicht nur das Vorhandensein des Kastensystems ist ein Unterschied zwischen dem Leben im Kloster und dem Leben außerhalb des Klosters. Das Kloster ist ein buddhistisches Kloster, während der Großteil der nepalesischen Bevölkerung hinduistisch ist. Während für Nepalesen der Samstag der höchste Wochentag ist und man zum Beispiel nicht zur Schule gehen muss, ist das innerhalb des Klosters der Sonntag, so wie bei uns. Das heißt während die Kinder in der Gemeindeschule Samstags frei haben, haben die Mönche Sonntags frei (Sonntags gehen die Kinder hier zur Schule). Und wenn ich das richtig verstanden habe, haben die Mönche hier im Kloster einen anderen Kalender als die Nepalesen. Und beide haben wiederum einen anderen Kalender als wir. Ist auf jeden Fall verwirrend. Ich richte mich aber nach wie vor nach unserem Kalender. Wenn ich jetzt damit anfange, nach nepalesischer Zeitrechnung zu gehen, komme ich wahrscheinlich ganz durcheinander. Die sind nämlich schon im Jahr 2070 oder so. 😉