Monatsarchiv: Januar 2014

Philosophische Gespräche

Neulich kam ein Mönch zu mir ins Zimmer und wollte mit mir darüber sprechen, dass er gerne sein Englisch verbessern möchte und ob ich Zeit für ihn habe. Er hat mir gesagt, wo er Probleme hat und wir haben dann ausgemacht, dass wir uns am nächsten Tag treffen, da es zu dem Zeitpunkt schon Abend war. Darüber hinaus sind wir dann noch so ein bisschen ins Gespräch gekommen, dass zunächst sehr oberflächlich war. Dann aber meinte er, dass er mir gerne ein paar Fragen stellen würde, die er vorher auch schon anderen Freiwilligen hier im Kloster gestellt hatte, aber die hatten ihm nicht sehr zufriedenstellende Antworten gegeben. Von dieser Einführung her, war ich schon recht gespannt darauf, was für Fragen er mir stellen wollte. Also habe ich gesagt, dass ich mir Mühe geben werde, seine Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Und so ging es dann mit der ersten Frage los: “Glaubst du an die Wiedergeburt?”. Mit dieser Frage hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet und ich war mir unsicher wie ich darauf antworten sollte. Schließlich ist die Wiedergeburt ein zentrales Konzept im buddhistischen Glauben. Da meine Antwort nein lautet, habe ich mich ein wenig davor gedrückt, das so konkret zu formulieren. Als der Mönch mir dann aber mitgeteilt hat, dass er selbst nicht daran glaubt, war mir klar, dass das keine Art Fangfrage war, sondern das er eher an einem ehrlichen Austausch interessiert war. 🙂
In der Schule hatten wir mal eine kurze Einheit zum Buddhismus, trotzdem habe ich mir dazu ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Danach folgten dann Fragen wie “Glaubst du an Gott?”, “Was ist Glaube?”, “Was ist das Ziel der Menschen?”, “Was ist der Sinn des Lebens?”. Also alles lauter Fragen über die es beliebig viele Ansichten gibt. Dennoch hat es mir Spaß gemacht, ihm diese Fragen zu beantworten, obwohl ich zwischendurch auch die Sorge hatte, dass ich vielleicht etwas sagen könnte, dass diesen Mönch dazu veranlasst, seinen Glauben oder seine Einstellung zum Glauben zu überdenken. Nicht dass es nachher heißt, ich bin Schuld, dass ein Mönch das Kloster verlassen hat oder so. 😉
Wir hatten dann am Ende des Gesprächs noch vereinbart, dass ich ihm dann beim nächsten Mal die gleichen Fragen stellen werde. Bisher gab es aber noch keine Gelegenheit dazu.
Später hat sich dann herausgestellt, dass er der Assistent des ersten Mönchs hier im Kloster ist. Er hat mir dann auch sehr dabei geholfen, zu organisieren, dass mein Unterricht im Kloster stattfinden kann. 😉

Kälte

Wie ich bereits geschildert habe, wird es hier im Winter nicht schneien. Bisher gab es beispielsweise viele Sonnentage, die eher an einen Sommertag erinnern als an einen Wintertag. Zumindest wenn man das mit Deutschland vergleicht. Dann gibt es aber auch wieder Tage, an denen ein kalter Wind weht. Das sind die Tage, an denen ich mir eine Heizung wünsche. Denn hier im Kloster gibt es keine Heizungen und alles ist sehr schlecht isoliert. In meinem Zimmer befinden sich nackte Betonwände und in den Zimmern neben mir, ist derzeit niemand einquartiert. Um ein bisschen Wärme im Zimmer zu halten, versuche ich die Tür und die Fenster geschlossen zu halten. Dennoch zieht es hier durch alle Ritzen rein.
Damit kann ich ja noch halbwegs leben, da ich auch genügend Klamotten mitgebracht habe, für den Fall, dass es richtig kalt wird. Was aber echt nervt, ist die Tatsache, dass die Hände so gut wie nie warm sind. Und gerade wenn man die Hände dann mal auf Körpertemperatur bekommen hat, muss man wieder nach draußen. Oder man muss auf die Toilette, wo ich mir dann mit eiskaltem Wasser die Hände wasche. Dann geht das Wärmen der Hände wieder von vorne los. Besonders fies ist es auch immer nach dem Duschen. Hier gibt es kein warmes Wasser für die Dusche, sodass ich mich ebenfalls mit eiskaltem Wasser duschen muss. Danach ziehe ich mir dann erstmal mehrere Lagen meiner Kleidung an. 😉
Am Anfang als ich hier angekommen bin, hatte ich gedacht, dass ich die ganzen Winterklamotten (Handschuhe, lange Unterwäsche, Mütze,…) umsonst gekauft habe. Aber mittlerweile trage ich fast täglich unter meinem Pullover und meinem T-Shirt noch mein langes Winteroberteil. An manchen Tagen auch die dazugehörende Hose. Und wenn die Hände einfach nicht warm werden wollen, kann es auch mal sein, dass ich mit Handschuhen in meinem Zimmer sitze. Da würde ich mir am liebsten ein kleines Lagerfeuer im Zimmer machen. Das geht zwar nicht, aber ich habe mir jetzt zumindest Kerzen geholt, sodass ich Licht habe während der Strom abgeschaltet ist und ich nebenbei noch ein bisschen das Wärme bekomme. 🙂

Der erste Unterricht – Jetzt aber wirklich

Mittlerweile habe ich tatsächlich den ersten Unterricht gegeben. Sowohl in der kleinen Gemeindeschule in der Nähe des Klosters als auch im Kloster selbst. Nachdem ich am ersten geplanten Tag des Unterrichts in der Schule eine kurzfristige Absage bekommen haben, hat es dann am nächsten Tag tatsächlich geklappt. Meine Stunde sollte um 13:35Uhr beginnen, sodass ich mich rechtzeitig auf den Weg gemacht habe, um ein paar Minuten früher da zu sein. Nachdem mich dann eine andere Lehrerin begrüßt hatte, durfte ich mich ins Büro der Schule setzen und warten bis meine Stunde anfing. 😉
Die Schule ist eine sehr kleine Schule. Es gibt dort eine Art Kindergarten, in dem die ganz Kleinen spielen können und schon die ersten Sachen lernen. Danach gibt es dann die Klassen eins bis fünf. Nachdem Abschluss der fünften Klasse gehen die Kinder dann auf eine weiterführende Schule. Mein Unterricht findet in der fünften Klasse statt. Diese Klasse besteht aus acht Kindern im Alter von 11 bis 12 Jahren. Die anderen Jahrgänge bestehen ebenfalls aus einer vergleichbaren Anzahl Kindern. Wie gesagt, alles sehr klein und überschaubar. 🙂
Die Ausstattung der Schule ist recht dürftig. Jeder Jahrgang hat seinen eigenen Klassenraum, in dem ein kleines Whiteboard hängt und einige im Unterricht hergestellte Poster und Zettel. Ansonsten sind die Klassenräume recht karg. In dem der fünften Klasse gibt es zwar Fenster, aber keine Fensterscheiben, sodass die Kinder an kalten Tagen mit Mütze, Jacke und ggf. auch Handschuhen im Unterricht sitzen. Auf dem Schulhof gibt es eine Schaukel, eine Rutsche und einen überdachten Bereich, wo man sich auch hinsetzen kann. Es gibt in der Schule zwei Badminton-Schläger, die in den Pausen sehr beliebt sind.
Meine Stunde fängt immer direkt nach der Mittagspause an. Das heißt wenn ich komme, toben die Kinder auf dem kleinen Schulhof oder sind noch am Essen. Am ersten Tag sind dann gleich viele Kinder auf mich zugestürmt als sie mich gesehen haben und haben mich gefragt wie ich heiße und woher ich komme. Sie wollten auch wissen wie mein Familienname ist und wie der Rest meiner Familie heißt. Aus irgendeinem Grund fanden alle Kinder es lustig wenn ich gesagt habe, dass ich Müller mit Nachnamen heiße.
Für den Unterricht selbst hat man mir dann einen Whiteboard-Marker gegeben. Weitere Anweisungen habe ich nicht erhalten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde in meiner Klasse habe ich dann schnell gemerkt, dass es schwierig werden wird, konzentrierten Unterricht durchzuführen. Meine Stunde ist scheinbar so was wie eine Extra-Stunde für die Schüler, in der sie normalerweise Hausaufgaben machen oder sich mit anderen Dingen beschäftigen können. Daher kann ich nicht einschätzen wie groß die Motivation ist, wirklich etwas zu lernen. Die Kinder lassen sich auch sehr leicht ablenken, vor allem wenn draußen irgendwas passiert. Und da es ja keine Fenster gibt, kann es dann auch schon mal sein, dass Kinder ans Fenster kommen, um sich die Badminton-Schläger abzuholen oder am Fenster stehen und zuhören wie unser Unterricht ist.
Man merkt auch sofort, dass der Unterricht scheinbar etwas ungeordneter abläuft als bei uns in Deutschland. Wenn ich etwas in die Klasse frage, dann werden die Antworten einfach laut gerufen ohne sich zu melden bzw. wenn jemand antwortet wird dazwischen gerufen, sodass man die eigentliche Antwort nicht versteht. Da werde ich demnächst also einige neue Regeln einführen, um ein bisschen mehr Ordnung in den Unterricht zu bringen. Auf der anderen Seite gibt es hier teilweise aber auch strengere Regeln als bei uns. So fragt mich beispielsweise jedes einzelne Kind wenn es in die Klasse kommen will ob es rein kommen darf. Egal ob es am Ende der Pause ist oder wenn jemand kurz zur Toilette war. Wenn die Kinder antworten stehen sie auf und sprechen erst dann. Und sie fragen um Erlaubnis ob sie was trinken dürfen.
Da ich wie gesagt keine weiteren Informationen bekommen habe, wurde ich dann auch schon nach kurzer Zeit von einer Klingel überrascht. Ich habe die Kinder dann gefragt was die Klingel zu bedeuten hat und sie meinten, dass sie jetzt eine Pause hätten und auf dem Schulhof spielen könnten. Die Tatsache, dass die Kinder mir gesagt haben, dass die Pause 40 Minuten lang ist und ich keine anderen Kinder auf dem Schulhof gesehen habe, hat mich etwas misstrauisch gemacht. Ich habe ihnen dann aber immerhin 5 Minuten Pause erlaubt, was die Kinder dann auch ohne Einwände akzeptiert haben. Vielleicht habe ich sie aber auch einfach falsch verstanden 😉
Ohne zu wissen, auf welchem Stand die Kinder sind, habe ich mit einer Wiederholung von Inhalten angefangen, die ich aus ihrem Schulbuch hatte. Ich habe auch meine eigenen Englisch-Bücher aus der Schulzeit mitgebracht, sodass ich hier auf jeden Fall genug Material habe, um Englisch zu unterrichten. Ich denke, wenn ich jetzt die ersten Stunden hinter mir habe, werde ich mir mal ein paar Ziele überlegen, die ich im Laufe meiner Zeit hier erreichen möchte. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass es mit dem Vorlesen und der Aussprache bei den meisten noch nicht so gut klappt. Also werde ich daran auf jeden Fall arbeiten. Um den Überblick zu behalten welche Übungen ich mit den Kindern mache, habe ich ein kleines Heft angefangen, in das ich eintrage was ich für die Stunde geplant habe, was ich davon tatsächlich umgesetzt habe und welche Beobachtungen oder Ideen ich während des Unterrichts hatte. So wird sich dann wahrscheinlich auch herauskristallisieren welche Probleme die Kinder noch haben, sodass ich darauf reagieren kann. Ich hoffe, dass ich dann in ein paar Wochen erste Fortschritte sehe und merke, dass der Unterricht auch tatsächlich etwas bewirkt. 🙂

Zum Unterricht im Kloster gibt es dann demnächst nochmal einen eigenen Bericht 😉

Frohes Neues!

Ich wünsche euch allen ein schönes neues Jahr! Ich hoffe ihr habt schön reingefeiert und für mich ein Glas Sekt mitgetrunken. Ich habe mein Silvester hier nämlich verschlafen und nicht gefeiert. Da ich hier im Kloster der einzige bin, der in ein neues Jahr gerutscht ist. Alle anderen hier feiern ihr neues Jahr dann erst in zwei oder drei Monaten. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tals in Pharping gabs dagegen eine große Party, die man bis hier zu uns gehört hat. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich vielleicht vorher geguckt ob ich da auch hin kann. Allerdings hätte ich dann noch überlegen müssen wie ich das mit der Übernachtung mache, da hier im Kloster die Tore um ca. halb acht oder so geschlossen werden.
Also bin ich dann pünktlich um 22:15Uhr ins Bett gegangen und habe damit Mitternacht verschlafen. 😉
Einen Sekt trinken konnte ich auch nicht. Den gibt’s hier nämlich nicht und im Kloster ist auch kein Alkohol erlaubt. Das wird dann aber nochmal bei Gelegenheit nachgeholt. 😀

Noch etwas in eigener Sache. Ich habe ein paar Artikel vorbereitet, die ich gerne im Laufe der nächsten Wochen online stellen würde. Allerdings hatte ich jetzt letztens Probleme mit dem Server. Und dazu kommt noch die Schwierigkeit, dass hier ständig das Passwort für das WLan geändert wird und man dann erstmal jemanden finden muss, der es kennt 😉
Also verzeiht mir wenn es manchmal etwas länger dauert.

Und ich habe auch noch nicht ganz so raus, wann man welche Artikel posten sollte. Ich versuche, die Artikel möglichst gleichmäßig zu verteilen. Das hat aber jetzt dazu geführt, dass demnächst ein Beitrag kommt, der schon ein paar Tage älter ist. Ich hoffe, dass ich das noch ein bisschen besser hinbekomme 😉