Archiv des Autors: Daniel Müller

Alltag in Nepal – Teil 1

In den vorherigen Artikeln bin ich ja bereits kurz auf das alltägliche Leben in Nepal eingegangen. Dieser Artikel soll jetzt etwas ausführlicher beschreiben wie das Leben hier in Nepal so aussieht.

Wenn man durch die Straßen von z.B. Kathmandu fährt, wird man überall mit ärmlichen Verhältnissen konfrontiert. Abgesehen von einigen Häusern in denen sich Einkaufsmöglichkeiten für Touristen befinden, wirkt alles recht simpel und einfach gebaut. Bei manchen Häusern befindet sich das Obergeschoss noch im Bau, während im Erdgeschoss bereits gewohnt wird. Meine Vermutung war, dass hier das Geld vielleicht nur für den Anfang – also das Erdgeschoss – gereicht hat und der Rest dann fertiggestellt wird, sobald genügend Geld dafür da ist.
Die Häuser werden hier übrigens ohne die Hilfe eines Krans gebaut. Jeder Stein wird manuell die Treppen hoch in das jeweilige Stockwerk getragen. Als Gerüst und zur Abstützung von Decken oder Vorsprüngen, dienen dabei Bambusstangen.

Wie ich bereits beschrieben habe, sind die Straßen voller Autos und Motorrädern. Nur die wenigsten Autos sind modernere Modelle und haben dementsprechend einen Rußpartikelfilter. Alle anderen Autos verbreiten ihre Abgase ungefiltert in die Luft. Die meisten Autos, zumindest die Taxis, die ich bisher von innen gesehen habe, würden eine TÜV Untersuchung nicht überstehen.

Neben den Straßen stehen, gehen oder sitzen viele Menschen und gehen ihren Tagesgeschäften nach. Sei es als Straßenverkäufer oder in einer kleinen Werkstatt. Auch in diesen Werkstätten wird vieles ohne die Hilfe von Maschinen erledigt. Manche Menschen haben nichts zu tun und sitzen oder liegen in der Sonne.

Wie ich schon angedeutet habe, ist der Aspekt der Hygiene in Nepal ein großes Problem. Man muss höllisch aufpassen was man isst und trinkt. Das betrifft nicht nur Touristen. Meine Gastfamilie hat nur Wasser aus ihrem großen Wasserfilter getrunken, da das Leitungswasser nur genießbar ist wenn es vorher abgekocht oder chemisch gefiltert wurde. In der Nähe der Gastfamilie gibt es einen kleinen Fluss, der vollkommen zugemüllt ist, sodass das Wasser darin mehr oder weniger giftig ist. Nichtsdestotrotz gibt es Menschen, die in diesem Fluss an manchen Stellen ihre Wäsche waschen.
Es besitzt auch nicht jeder eine eigene Toilette oder ein eigenes Bad, um sich zu Hause zu waschen. Dazu holt man sich dann Wasser in einem Eimer und wäscht sich dann neben dem Haus. In meiner Gastfamilie und in dem Kloster ist glücklicherweise beides vorhanden, allerdings gibt es auch hier gewisse Herausforderungen. So gab es in der Gastfamilie beispielsweise normale Kloschüsseln, aber kein Klopapier, da die Abflussrohre dafür teilweise nicht ausgelegt sind. Im Kloster dagegen darf ich Klopapier nutzen, allerdings gibt es hier wiederrum keine Kloschüsseln, sondern nur Löcher im Boden, über die man sich hockt. In beiden Fällen gibt es direkt neben den Klos einen Wasserhahn bzw. einen kleinen Duschkopf, mit dem man sich dann reinigen kann.

Hier in Nepal ist vor allem der Hinduismus sehr weit verbreitet. Man merkt, dass Religion das tägliche Leben der Menschen prägt und beeinflusst. So hatte meine Gastfamilie beispielsweise nicht nur in der Wohnung einige kleinere Statuen von hinduistischen Gottheiten, sondern auch im Dachgeschoss einen kleinen Schrein. An diesem Schrein wird täglich gebetet. Auch in der Stadt begegnet man immer wieder Schreinen und Stupas, wo die Menschen für einen kurzen Augenblick innehalten und beten. Zusätzlich gibt es hier zu fast allem eine mystische Geschichte. Davon dann beim nächsten Mal mehr ;)…

Fotos und Videos von Nepal

Eigentlich wollte ich heute Fotos und ein Video hochladen. Das Vorhaben musste ich aber leider aufgeben, da das Internet zu langsam ist und die Verbindung ständig unterbrochen ist.
Ich hoffe, dass ich das bald nachholen kann wenn nicht alle Mönche hier am surfen sind, weil sie frei haben 😉
Wenn das nicht klappt, kann ich die Bilder wahrscheinlich erst aus Deutschland hochladen…

Erste Male

Die ersten zwei Tage meines Aufenthaltes in Nepal habe ich in Kathmandu in einer Gastfamilie verbracht. Das war ziemlich interessant, weil man so direkt merkt, wie die Menschen in Nepal leben. Meine Gastfamilie bestand aus dem Vater, der Mutter und zwei Töchtern, die zur Schule und zum College gehen. Und es gab einen Hund: Princess. Dieser Hund lag entweder in der Sonne, lief suchend durchs Haus oder hat die vorbeistreunenden Straßenhunde angebellt. 🙂

Etwas ungewohnt war jeden Morgen das Frühstück: Meistens gab es Reis mit gebratenem Gemüse und einer Soße. Den einen Morgen gabs zusätzlich noch selbstgemachte Pommes dazu. Reis gibt es hier so gut wie zu jeder Mahlzeit – Morgens, mittags und abends.

In den zwei Tagen in Kathmandu hatte ich morgens immer zwei Stunden Sprachunterricht und anschließend ging es jeweils auf eine kleine Sightseeing Tour durch Kathmandu. Der Sprachunterricht fand draußen statt, da es hier tagsüber in der Sonne echt ziemlich warm ist. Dementsprechend saß ich da auch immer kurzärmelig und habe mir Sorgen über einen Sonnenbrand gemacht. Die nepalesische Sprachtrainerin hat sich dann gewundert, dass ich gar nicht friere. Daraufhin habe ich erklärt, dass ich bei solchen Temperaturen in Deutschland in kurzer Hose rumlaufen würde. Sie selbst hatte dabei eine dicke Jacke und eine Mütze an 😀

Die nepalesische Sprache wirkte jetzt nicht besonders schwierig. Bei der Aussprache gibt es nur wenige Dinge die anders sind als im Deutschen oder Englischen. Natürlich muss man erstmal eine Basis an Vokabeln können, bevor man sich mit jemandem richtig unterhalten kann. Aber was die Grammatik betrifft gibt es klare und einfache Regeln. Zumindest wirkte das in den paar Stunden recht überschaubar. Wird natürlich noch schwieriger wenn man unregelmäßige Verben berücksichtigt und andere Zeiten 😉

Am letzten Tag in Kathmandu hatten wir eigentlich geplant, zwei Ziele auf unserer Sightseeing Tour anzusteuern, mussten den Plan jedoch auf ein Ziel kürzen, da es etwas länger gedauert hat, das Visum für eine andere Freiwillige aus Israel zu verlängern. Während der Wartezeit waren wir in einem Restaurant, wo ich dann zum ersten Mal in meinem Leben „Mo Mo“ gegessen habe. Auf Englisch heißen die Dinger „dumplings“ was übersetzt soviel wie Klos oder Knödel heißt. Im Prinzip sind das so kleine Taschen, gefüllt mit allerlei Gemüse, die entweder in Dampf gegart werden oder frittiert werden.

Die waren eigentlich ganz lecker, haben dann aber dazu geführt, dass ich hier zum ersten Mal während meines Aufenthaltes Verdauungsprobleme bekommen habe. Mit einem Mittelchen aus meiner mitgeführten Reiseapotheke, hatte sich das dann aber zum Glück relativ schnell erledigt und alles war wieder gut.

Auf dem Weg von der Visa-Stelle zu unserem Ziel, habe ich dann auch noch den ersten Unfall in Kathmandu miterlebt. Und das quasi mittendrin statt nur dabei. Unserem Taxi ist nämlich ein anderes Taxi hinten drauf gefahren. Der Aufprall war jedoch so sanft, dass ich erst gedacht habe, dass der Fahrer den Motor abgewürgt hat 😀
Ich habe erst gemerkt, dass das ein Unfall war, nachdem der Fahrer ausgestiegen ist. Der hat dann mit dem anderen Fahrer ein paar wahrscheinlich äußerst nette Worte gewechselt und dann ging die Fahrt auch schon weiter.

Schädelbrechende Schotterpisten

Ich hoffe, dass die meisten von euch auf dem ein oder anderen Weg schon mitbekommen haben, dass ich gesund und munter in Nepal angekommen bin. Die Flüge von Frankfurt nach Doha und von Doha nach Kathmandu verliefen ohne Probleme. Auf beiden Flügen habe ich mir die Zeit mit Hilfe des Entertainment-Systems vertrieben. So habe ich zum Beispiel die Filme „The Internship“ und „World War Z“ angesehen, sowie die Pilotfolge von den „Sopranos“ und einige Ausschnitte vom diesjährigen Glastonbury Festival (Memo an mich selbst: Scheint einen Besuch wert zu sein 😉 ). Verschlafen habe ich dafür leider die Filme „Red“ und „X-Men: Origins“.

Die Ankunft in Kathmandu hat sich dann als weit weniger problematisch erwiesen, als ich gedacht hatte. Laut der Seite vom auswärtigen Amt, darf man nach Nepal nur eine Flasche hochprozentigen Alkohol einführen mit maximal 1,15 Litern. Ich hatte jedoch zwei kleine Jägermeister Flaschen als Geschenke für meine Gastfamilien im Gepäck. Dazu noch ca. 70 Bleistifte, die ich hier an der Schule bzw. dem Kloster verschenken wollte. Und laut auswärtigem Amt darf man nur genau „ein Set Bleistifte“ einführen. Wie viel das auch immer ist. Also hatte ich mich bereits darauf eingestellt, dass ich da eventuell etwas nachverzollen musste. Das war jedoch nicht der Fall. Die einzige Kontrolle war, ob auf meinem Zettel die gleiche Gepäcknummer stand wie auf meinem Gepäckstück selbst. Anschliessend wurde mein Koffer auf ein Band für ein Röntgengeraet gelegt, wo gleichzeitig aber auch noch gefühlt 5 andere Koffer parallel dazu gelegt wurden und wo sich niemand für das Ergebnis der Untersuchung interessiert hat. Das einzige was ich dann zahlen musste, war ein Trinkgeld an die netten Herren, die meinen Koffer die 5m zu dem Band geschoben haben 😀

Dann ging es durch den sehr abenteuerlichen Verkehr Kathmandus zu meiner Gastfamilie. Abenteuerlich ist dieser aus verschiedenen Gründen. Der augenscheinlichste ist, dass hier Linksverkehr herrscht, was dem normalen Europäer von vornherein ja schon einmal fremd ist ;). Dann gibt es hier keine Fahrbahnmarkierungen. Das heisst, hier fährt jeder wie Platz da ist. Und wenn das bedeutet, dass in eine Richtung drei Autos nebeneinander fahren und in die andere nur ein Auto, dann ist das halt so. Während man fährt wird man ständig von Motorrädern überholt. Sei es links oder rechts. Die können eben noch besser den vorhandenen Platz ausnutzen 😀
Und nicht zu vergessen sind die Straßen hier. Nur die wenigsten sind asphaltiert. Die meisten bestehen aus Staub und ein paar Steinen, gemixt mit vielen Löchern und Huckeln. Das hat dazu geführt, dass ich mir bereits heute einmal kräftig den Kopf an der Tür im Taxi angestoßen habe. Das wird mit Sicherheit auch noch öfters passieren 😀

Gestern habe ich dann erfahren, dass ich an dem Ort, wo ich eingesetzt werde, direkt im Kloster wohnen werde. Das wird sicherlich sehr interessant werden ;). Ich kann noch nicht genau sagen, wie dort die Internet-Situation sein wird. Meine derzeitige Gastfamilie hat keins. Im Moment sitze ich hier in einem Internet-Cafe, wo eben auch erstmal der Strom ausgefallen ist 😀
Wenn es im Kloster selbst Internet gibt, werde ich mal schauen, dass ich ein paar Fotos online stelle. Wenn es das nicht gibt, dann bekomme ich einen Internet-Stick, der wie eine Prepaid Karte funktioniert. Dann werde ich wohl erstmal keine Fotos online stellen können. Mal sehen 😉

In diesem Sinne: Namaste! 😀

Tapfere Recken, edle Kaufleute und geheimnisvolle Elfen

Es gibt viele Gründe dafür, dass ich mich bereits seit meiner Schulzeit mit Rollenspielen beschäftige. Es ist faszinierend in eine Welt abzutauchen, die alleine mit Hilfe der Beschreibungen der Spieler und des Meisters entsteht. Diese Welt wird in Regelbüchern beschrieben, wobei die Angaben dort lediglich als Hinweise und Tipps genommen werden können. Die konkrete Ausgestaltung geschieht erst während des Spiels und man wird nicht dazu gezwungen, sich an die Regelbücher mit hundertprozentiger Genauigkeit zu halten. Sie geben einen Rahmen vor, den man nach seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen anpassen kann.

Ebenfalls faszinierend ist die Freiheit, die man mit seinen Helden während eines Abenteuers hat. Im Grunde genommen kann ein Spieler eine beliebige Entscheidung treffen und der Meister muss entsprechend darauf reagieren. Dazu kommt es natürlich zu allerlei witzigen Momenten während eines Spielabends, weil der Meister nie mit hundertprozentiger Sicherheit vorhersagen kann, wie sich die Spieler verhalten werden. Das birgt eine gewisse Komplexität, die den Meister durchaus vor Herausforderungen stellen kann, sich eine angemessene Reaktion der Spielwelt auf die Aktionen der Helden auszudenken. Die Herausforderungen denen die Spieler gegenüberstehen, sind ebenfalls vielfältig und können je nach Abenteuer sehr komplex sein.

Was natürlich auch noch toll ist, ist die Tatsache, dass man Zeit mit seinen Freunden verbringt, zusammen Spaß hat und ein paar Bösewichte erlegt ;). Meiner Meinung nach erwirbt man durch das Rollenspiel auch einige wichtige Softskills, die einem während der Schulzeit, während des Studiums und auch in der Berufswelt helfen können. Dazu zählt insbesondere das freie Sprechen. Ich bilde mir ein, dass es mir heute vielleicht nicht so leicht fallen würde, vor einer Gruppe von Fremden zu sprechen wenn ich nicht viele viele Stunden mit meinen Freunden verbracht hätte, um gemeinsam Abenteuer zu bestehen. Wenn man dabei zum Beispiel der Meister ist und ein Abenteuer vorbereitet hat, kommt einem die Verantwortung zu, einen gelungenen Abend für die anderen zu gestalten. Da dies nur mit Hilfe der Sprache möglich ist, ist es besonders wichtig, sich flüssig und umfassend auszudrücken.

Ein Abenteuer zu bestehen, ist in den allermeisten Fällen Teamarbeit. Auch wenn es nur ein Spiel ist und es nur um den Spaß geht, muss man sich gegenseitig abstimmen und einen Plan entwickeln wie man bestimmte Probleme angeht. Hierbei müssen gute Argumente vorgebracht werden, die die anderen Helden überzeugen. Andernfalls werden sich die Helden nicht auf einen Plan einlassen, der sie ggf. das Leben kosten wird.

Was vermutlich am meisten gefördert und gefordert wird, ist die eigene Fantasie. Als Spieler versucht man sich in seinen eigenen Helden zu versetzen und zu überlegen wie sich dieser Held entsprechend seiner Hintergrundgeschichte, seiner Erfahrungen und seiner Talent- und Eigenschaftswerte verhalten würde. Als Meister versetzt man sich in die Lage der Charaktere, die nicht von den Spielern gespielt werden und beschreibt die Spielwelt aus der eigenen Fantasie heraus.

Jeder, der bereits das Spiel „Werwölfe von Düsterwald“ gespielt hat, hat damit ebenfalls erste Erfahrungen in einem Rollenspiel gesammelt. Die Welt und die Aufgaben sind nicht so umfangreich, wie vielleicht beim Schwarzen Auge. Trotzdem beinhaltet das Spiel charakteristische Merkmale für ein Rollenspiel:

  • Jeder Spieler hat eine bestimmte Rolle und versucht sich entsprechend der Motive und Ziele der Rolle zu verhalten.
  • Mit Hilfe von Diskussionen versucht man die anderen Spieler zu überzeugen, bestimmte Personen als Werwölfe zu verdächtigen.
  • Es gibt einen Spielleiter, der die Welt beschreibt und die Spieler zu Aktionen auffordert.

Wenn euch Werwölfe Spaß gemacht hat, solltet ihr auch einmal ein anderes Rollenspielsystem ausprobieren 😉