Eigentlich bin ich ja hier, um Englisch zu unterrichten oder auch andere Fächer wie Mathe und Informatik, aber bisher ist es dazu nicht gekommen. Letzte Woche, als ich hier ins Kloster eingezogen bin, hatten alle Mönche Prüfungen über mehrere Tage, sodass es dort keinen Unterricht gab. Ich dachte dann, dass der Unterricht im Kloster diese Woche losgeht und ich spätestens am Dienstag mit den ersten Unterrichtsstunden beginnen kann. Das war aber eine Fehleinschätzung, denn in Kathmandu gibt es ein großes Fest, dass über mehrere Tage geht. Im Buddhismus gibt es insgesamt vier verschiedene Zweige (ähnlich wie Katholizismus und Protestantismus im Christentum). Und in Kathmandu bei der größten Stupa Nepals, wo alle vier Richtungen vertreten sind, findet jetzt dieses Fest statt, da ein hoher Geistlicher aus einer dieser Richtungen wiedergeboren wurde. Das Fest fing Sonntag an und endet jetzt heute am Dienstag. Damit findet mein erster Unterricht hier im Kloster also frühestens Mittwoch, wenn nicht sogar erst am Donnerstag statt, da ich noch mit dem Mönch sprechen muss, der für den Unterricht zuständig ist. Der hatte bisher keine Zeit für mich. Während dieses Festes sind weniger als 20 Mönche hier im Kloster verblieben. Und ich natürlich ;). Die verbliebenen Mönche beschäftigen sich hier währenddessen mit Fußball spielen, Musik hören, schlafen, lesen und faulenzen. Ein paar Räume neben meinem Zimmer hat ein anderer Lehrer sein Zimmer. Da läuft im Moment Harry Potter, was ich an der Musik erkannt habe, da es sich um eine nepalesische Synchronisation handelt. Vor dem Zimmer sind viele Kindersandalen von den kleinen Mönchen versammelt, die alle bei ihm im Zimmer hocken, um fernzusehen. Zumindest solange der Strom da ist. 🙂
Gestern gab es dann spontan doch noch die Möglichkeit auf andere Art und Weise den Unterricht zu beginnen. Der Projektkoordinator kam kurzfristig vorbei. Der Grund dafür war, dass eine andere Freiwillige, die mit mir zusammen angefangen hat, Probleme in ihrem Kloster hatte und er sich um sie gekümmert und dann noch einen Abstecher zu mir gemacht hat. Bei ihr im Kloster ist wohl nachts ein anderer Lehrer betrunken ins Kloster zurückgekommen und hat dann noch an ihre Tür geklopft und sie belästigt. Sie wird das Kloster jetzt heute verlassen und sich überlegen wie es weiter geht. Der Projektkoordinator hatte mir dann angeboten, dass ich das Kloster wechseln könnte wenn ich wollte. Ich werde aber erstmal hier bleiben und gucken wie es so läuft. Falls ich irgendwann merke, dass ich hier nicht mehr bleiben möchte, kann ich immer noch in ein anderes Kloster oder zu einer nahegelegenen Gastfamilie. Ich hab ihm daraufhin erzählt, dass ich hier noch keinen Unterricht gegeben habe, bis auf ein paar kleinere Sachen, wo Mönche auf mich zugekommen sind und zum Beispiel unbedingt einen englischen Text lesen oder etwas zu Computern wissen wollten. Er meinte, dass ich auch hier in einer nahegelegenen Schule der Gemeinde unterrichten könnte. Also sind wir dorthin und haben uns umgesehen und mit dem Direktor gesprochen. Wir haben vereinbart, dass ich heute eine Englisch-Stunde geben werde und wir von Tag zu Tag gucken wie das mit dem Unterricht im Kloster vereinbart werden kann. Ich bin mal gespannt wie das wird. 😉
Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich hier noch keine Nacht erlebt habe, in der ich nicht irgendwas geträumt habe. Oftmals träumt man ja etwas und hat es am nächsten Morgen wieder vergessen, aber hier sind die Träume recht umfangreich und intensiv. Ich kann mich eigentlich jeden Tag daran erinnern was ich in der Nacht geträumt habe. Zum Beispiel hatte ich neulich einen lustigen Traum:
Ich habe bei der Serie “How I Met Your Mother” mitgespielt. Ich habe in einer Szene mitgespielt, in der Britney Spears einen Gastauftritt hatte und sich auf Ted gestürzt hat, um ihn zu küssen. Kurz danach hat sie sich dann auf mich gestürzt, um das gleiche zu tun. Doch das war dann nicht mehr Britney Spears, sondern Marshall in einer schlecht sitzenden Perücke, mit verschmiertem Make-Up und einem schlecht sitzenden Kleid. Bevor irgendwas passiert ist, war die Folge dann jedoch vorbei. Ted hat dann noch in die Kamera gesagt, dass damit auch die aktuelle Staffel vorbei ist und er sich bei allen Mitwirkenden und Fans bedankt. Dann ist er auf ein riesiges Skateboard geklettert, dass ungefähr die Ausmaße eines Monster Trucks hatte. Das Skateboard konnte er dann von oben per Joystick steuern und ist damit durch eine Straßenkulisse gebrettert. Sehr verrückt das Ganze. 😉
Nachtrag:
Kurz vor Mittagessen habe ich eine SMS vom Projektkoordinator bekommen. In Nepal ist heute ein „unerwarteter Ferientag“. Was auch immer das zu heißen hat. Bedeutet für mich, dass ich heute auch wieder keinen Unterricht geben werde, sondern vielleicht morgen 😉